Endlich ist die Gentechnologie auch mal für etwas sinnvolles zu gebrauchen. Denn jetzt soll sie das Klima retten. Wie das gehen soll? Auf verschiedene Arten.
Das kalifornische Unternehmen Arcadia Biosciences beispielsweise entwickelt Reissorten, die mit weniger Stickstoffdünger auskommen. 2012 sollen sie auf den Markt kommen. Nach Angaben des Unternehmens könnten 50 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente eingespart werden, wenn der weltweit angebaute Reis durch den Arcadia-Reis ersetzt werden würde. Das Unternehmen will auch andere Pflanzen so modifizieren dass sie weniger Dünger benötigen.

Oder Bäume: Momentan werden Bäume entwickelt, die schneller wachsen und mehr CO2 aufnehmen können. Damit die Bäume keine Gefahr für die Umwelt darstellen sollen sie steril werden, dass heißt sie werden sich nicht fortpflanzen können und somit auch nicht Blühen und keine Früchte tragen. Um für das Klima spürbar zu sein müssten diese Bäume auf riesigen Plantagen angebaut werden. Endlose Friedhöfe voll lebender Toten immergleichen Bäume.
Solche Plantagen lassen sich dann als Emmisionssenken beim Emmissionshandel anrechnen. Was dieser Schwachsinn in der Realität heißen kann soll folgendes ausgedachtes Beispiel zeigen:
Vattenfall baut ein neues Kohlekraftwerk. Um sich die Emmissionsrechte aber nicht teuer kaufen zu müssen, veranlassen sie „Ausgleichsmaßnahmen“: Sie lassen 1000 Hektar Regenwald fällen, um eine Plantage genmanipulierter Bäume zu pflanzen.
Denn das Roden eines bestehenden Waldes wird beim Emmissionshandel außen vor gelassen, dass pflanzen von Plantagen aber wird als Senke anerkannt (Ausdrücklich auch genmanipulierter Bäume). So besteht die Ausgleichsmaßnahme darin, dass zusätzlich zu dem neuen Kohlekraftwerk ein mindestens nochmal genauso schlimmer Schaden angerichtet wird. Denn abgesehen davon dass erstmal das gesamte CO2 dass im Regenwald gespeichert war freigesetzt wurde, und es viele Jahrzehnte dauern wird, bis ein Teil davon dann wieder in den Plantagen gebunden wird, wurde eines der Artenreichsten Ökosysteme verwandelt in eine Baumwüste.
Neupflanzungen von Wäldern und Plantagen taugen aber im Allgemeinen nicht als Ausgleichsmaßnahmen bei der Verbrennung von fossilen Ressourcen. Denn hier werden zwei ganz unterschiedliche Sachen gleichgesetzt: Denn das Kohlenstoff in fossilen Energieträgern unter der Erde ist viel sicherer und langfristiger gebunden, als der in Bäumen, wo das CO2 beim nächsten Waldbrand schon wieder freigesetzt wurde. Was nicht heißen soll das aufforstungsmaßnahmen nicht sinnvoll sind, ganz im Gegenteil, aber sie dürfen nicht dass verbrennen von fossilen Energieträgern legitimieren.

Das GeN-Ethische Netzwerk schreibt hierzu: „Die Entscheidung, die im Dezember 2003 auf der COP-9 getroffen wurde, nämlich den Firmen und Regierungen der nördlichen – industrialisierten – Länder die Pflanzung von gentechnisch veränderten Bäumen im Süden zu erlauben, könnte genau das gewesen sein, was den Befürwortern von gv-Bäumen noch gefehlt hat, um die Welt mit ihrer gefährlichen neuen Technologie beglücken zu können. Gewinner wären die Firmen, die die großen Plantagen anlegen, die Beratungs-Firmen und Energiekonzerne, die die Umwelt verschmutzen. Die Verlierer wären ländliche Bevölkerungen im Süden, deren Länder in Baum-Plantagen-Monokulturen umgewandelt werden und deren Existenzgrundlage zerstört werden würde. Wenn gentechnisch veränderte Bäume je als Senken gepflanzt werden sollen, wird der Widerstand massiv sein.“

Hält nun wenigestens der gen-veränderte Reis das was er verspricht? Leider nein. Der Grund warum die globale Landwirtschaft heute ein drittel der globalen Emmissionen verantworten muss liegt (neben dem steigenden Verzehr von Tierprodukten) an der immer fortschreitenden Industrialisierung der Landwirtschaft. Ein weiterer Schritt in Richtung Industrialisierung ist deswegen ein Schritt in die falsche Richtung. Im Bereich der Landwirtschaft gibt es viele andere Bereiche durch die Emmissionen eingespart werden können: Weniger Tierhaltung (im Idealfall natürlich gar keine), verwendung von natürlichen Düngemitteln und die Erforschung landwirtschaftlicher Praktiken, die ohne das Umpflügen der Äcker auskommen ( nicht bei allen Pflanzen möglich), weil dadurch viel mehr Kohlenstoff in den Böden gebunden werden könnte.
Zum Thema Reis ließe sich noch sagen: Besser als Genmanipulation wäre das Verringern des Reiskonsums. Sicher gibt es Länder die auf ihren Reisanbau angewiesen sind. Aber wir sind es nicht.
Der genmanipulierte Reis gilt übrigens auch als CO2 Senke. Wer ihn anbaut, darf also ebenfalls Verschmutzungsrechte verkaufen.

Am Ende bleibt zu sagen: Wie üblich bei der Gentechnik, der vorgegebene Nutzen ist konstruiert, und dient nur der Aktzeptanzbeschaffung für die Gentechnologie.