Archive for März, 2010

Black Wood Solidarity Camp gegen Braunkohleabbau räumungsbedroht

Mittwoch, März 31st, 2010

Das Nationale Räumungsteam (National Eviction Team / in Großbritannien räumen die Bullen nicht selber sondern beauftragen eine Firma dafür) leitete schon knapp eine Woche nach der Besetzung den Räumungsprozess ein, indem sie das Camp und insbesondere die Blockadevorrichtungen inspektierten. Das zeigt dass UK Coal, Betreiberin der geplanten Mine die Besetzung so schnell wie möglich loshaben will. Vor allem da Gerichtspapiere existieren, in denen Referenzen aus der Räumung vom Solidaritätscamp in Mainshill analysiert werden und in denen die Ploizei der UK Coal vorschlägt möglichst früh zu räumen, da es umso härter wird je länger das Camp existiert.

Das stimmt natürlich, aber viele Leute erschweren die Räumung auch. Das Black Wood Solidarity Camp ruft dazu auf das Camp zu unterstützen und es solange wie möglich zu besuchen. Die Stimmung im Camp ist gut und überall werden Barrikaden und Blockadevorrichtungen instalilliert mit einer Menge Möglichkeiten sich zu beteiligen.

Weitere englischsprachige Infos gibt es hier:coalactionscotland.noflag.org.uk

Australien: Der weltweit größte Kohlehafen in Newcastle wurde für einen Tag durch eine Massenaktion lahmgelegt

Montag, März 29th, 2010

Hunderte Demonstranten besetzten den Hafen seit 10 Uhr morgens. An einem geschäftigen Tag wie diesem würden normalerweiße 4 oder 5 große Kohleschiffe den Hafen beliefern. Stattdessen konnte heute kein einziges in den Hafen einlaufen.

„Der Kohleexport ist Australiens größer Klima-faktor. Der Export alleine von NSW und Queensland verursacht viermal soviel Treibhausemissionen wie alle inländischen Aktivitäten.“ sagt Ms Hodgson, eine Beteiligte.

earthfirst.org.uk

Landbesetzung für Ernährungsautonomie in Dijon

Montag, März 29th, 2010

Ein Stück Landlosenbewegung mitten in Europa: Am 28. März besetzten etwa 200 Menschen eine Grünfläche in Dijon um sie von nun an selbstorganisiert zu bewirtschaften. Die industrielle Landwirtschaft ist eine der HauptverursacherInnen des Klimawandels, mit ihrer Tierhaltung, ihren auf fossilen Energien beruhenden Düngemitteln und den irrsinnigen Transporten. Die Erkämpfung von Ernährungsautonomie ist ein wichtiger Schritt gegen den Klimawandel und für mehr Selbstbestimmung.

Ein Artikel von linksunten.indymedia.org:

Bis zu 200 Menschen beteiligten sich am 28. März an einer ungehorsamen Aktion zum Aufbau eines Nachbarschafts-/Gemeinschaftsgartens in der rue Philppe Guignard in Dijon. Gegen 13:30 Uhr versammelten sich etwa 150 Leute im strömenden Regen auf dem zentral gelegenen Place Wilson in der Burgunder Hauptstadt.
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Widerstandscamp in Katalonien gegen Hochspannungsleitung geräumt

Samstag, März 27th, 2010

Die Räumung fand statt am 24. März von 7 Uhr bis 14 Uhr 30. Alle BesetzerInnen müssen am 31 Mai in Santa Coloma de Farners vor Gericht erscheinen. Um 20 Uhr gab es eine Solidemo in Girona mit etwa 100 TeilnehmerInnen.
„Der Kampf ist noch nicht vorbei. Der Kampf gegen Großinfrastrukturen, die der Kapitalismus uns aufzwingt geht weiter. Gegen dieses Gesellschaftsmodell! Gegen Fortschritt um jeden Preis! Gegen die Hochspannungsleitung und nieder mit dem Kapitalismus!“ heißt es in einer Stellungsnahme.
desdelsboscos.blogspot

Widerstand gegen Flughafenbau in Griechenland

Samstag, März 27th, 2010

Seit dem 6. Dezember, als ein anarchistischer Schüler von Bullen auf offener Straße erschossen wurde hält eine starke anarchistische Revolte das Land in Atem, die sich seit den Kürzungsplänen der Regierung, aufgezwungen von der EU noch verstärken.
Die Stärke der griechischen Bewegung ist es Anknüpfungspunkte zu anderen Konflikten zu suchen und auszubauen. Nun gibt es auch Widerstand gegen einen Flughafen der auf Kreta gebaut werden soll.

Von linksunten.indymedia.org

„Mr Dimitris Reppas, minister of public transferring structures, was blocked by protesters to visit Kasteli on Crete island and make a speech about an airport he wants to build in the area. The citizens condemn that the airport will destroy the natural environment of the area and that a lot of black money will be „washed“ in the name of profit for off shore companies. The minister had to cancel his speech.“

Noch eine Besetzung gegen Braunkohle-Tagebau in UK

Donnerstag, März 25th, 2010

In der Nacht vom 21. auf den 22. März besetzten Anti- Kohleabbau- AktivistInnen erneut einen Wald der für einen Kohletagebau weichen soll.
Die Blair House Open Cast Coal Site wurde in Solidarität mit den AnwohnerInnen und als direkte Intervention gegen die Umweltzerstörung die sie versursachen wird, besetzt. Vertragspartner haben in den letzten Wochen bereits Bäume auf der Fläche gefällt. Um das zu verhindern und UK-Caol’s Abbau-Pläne zu stoppen im Black Wood Wildlife Gelände wurde hier nun ein Camp errichtet.

Diese Besetzung ist die zweite auf einem Gelände von UK-Coal innerhalb von 2 Wochen und kommt 2 Monate nach der Räumung vom Mainshill Solidarity Camp in South Lanarkshire – ebenfalls eine Besetzung gegen einen Braunkohle-Tagebau.

UK-Coal hat die Erlaubniss bekommen 720,000 Tonnen Kohle abzubauen. Damit werden die Einwände der AnwohnerInnen einfach übergangen. Es gab etwa 150 Einwändungen gegen den Abbau und keine Zustimmung.

Das Gelände welches zerstört werden soll hat einen hohen ökologischen Wert und ist die Heimat des Kammmolchs, eine europäische geschützte Art sowie von Eichen, Birken, Orchideen, brütenden und überwinternden Vögeln, Fledermäusen, Eichhörnchen und Hasen.

Etwa 2.11 Mio Tonnen CO2 werden bei der Verbrennung der Kohle freigesetzt werden. Zusätzliches beim Prozess des Abbaus. Neue Kohleminen wie diese untergraben Schottlands CO2-Reduktionspläne.

Fiona Richards, eine der BesetzerInnen sagt:
Diese Kohlemine ist nur eine von 20 die in Schottland die Planungs-Erlaubnis bekommen hat. Wenn wir eine Chance haben wollen einen gefährlichen Klimawandel zu verhindern, und lokale Gemeinschaften vor Carbon-intensiver Industrie schützen wollen, müssen wir direkte Aktionen starten, da Stadtverordnete, Kohlekonzerne und die Regierung ihren kompromisslosen Unwillen gezeigt haben die Probleme zu lösen die wir bekämpfen.

Neue Besetzung wegen Kohletagebau in England

Sonntag, März 21st, 2010

Seit der zweiten Märzwoche gibt es ein Camp auf der Huntington Lane Tagebaufläche in Telford im Westen von England bei Birmingham. Es handelt sich um ein knapp 100 Hektar großes lokales Naturschutzgebiet mit altem Waldbestand. Der Tagebau der Firma UK Coal soll innerhalb von drei Jahren 900.000t Kohle fördern und wird für mindestens 2.430.000t CO2-Emissionen sorgen. Danach soll es wieder in Grünland verwandelt werden.

Banneraktion am Bahnhof
Schon am 6. März wurden in Telford Transparente von Brücken gehangen. Ein Sprecher der Aktivist_innen sagte:

Wir glauben, dass Kohleverbrennung zur Stromerzeugung eine antiquierte und überholte Technologie ist. Es ist hochgradig ineffizient und verantwortlich für die Freisetzung großer Mengen an Treibhausgasen in die Atmosphäre. Wenn die britische Regierung die Ursachen des Klimawandels ernsthaft angehen würde, gäbe es keinen Bedarf für die Schaffung solcher Gebiete wie Huntington Lane. Es ist eine Tragödie, dass dieser schöne Ort in einem „Gebiet von außerordentlicher natürlicher Schönheit“ (Area of Outstanding Natural Beauty) wegen der Verfolgung dreckiger Kohleprojekte verloren gehen wird.

Bei einem Spaziergang am 7. März stellte sich heraus, dass schon viele Bäume gefällt wurden, was darauf hinweist, dass weitere Arbeiten in Kürze bevorstehen könnten.

Auf ihrem Blog berichten die Aktivist_innen über den fortschreitenden Ausbau ihres Camps und schreiben, was sie noch brauchen:
defendhuntingtonlane.wordpress.com

Zudem gibt es eine Einladung zu einem Besprechungs- und Bauwochenende über Ostern im Camp.

Bild vom Camp
Campbesucher_innen

Prozess gegen Umweltaktivistin in Frankfurt

Freitag, März 19th, 2010

Pressemitteilung der Unterstützer_innen-Gruppe:

Hochsicherheitssaal für Prozess gegen Umweltaktivistin in Frankfurt

Am Mittwoch, den 17.März 2010 begann vor dem Amtsgericht Frankfurt am Main der Prozess gegen die für ihr umweltpolitisches Engagement bekannte französische Kletteraktivistin Cécile Lecomte.

Vor Gericht muss sie sich wegen ihrer Beteiligung an Demonstrationen gegen den Flughafenausbau im ehemaligen Kelsterbacher Wald ( Harvesterbesetzung und Baumbesetzung) sowie wegen einem luftigen Spaziergang auf dem Dach des Frankfurter Hauptbahnhofs verantworten. Der erste Verhandlungstag wurde von Kontrasten geprägt: Bunter Protest mit Transparenten vor Gericht versus massives Polizeiaufgebot; üblicherweise für schwere Gewaltverbrechen vorbehaltener Hochsicherheitsaal versus auf sehr dünnem Eis liegende Beweislage.

Vor dem Gebäude zeigten gut dreißig Menschen ihre Solidarität und Dankbarkeit für das umweltpolitische Anliegen der Angeklagten. In ihrer Einlassung kritisierte sie, man wolle an ihrem Fall ein Exempel statuieren, weshalb sie sich stellvertretend für den Widerstand gegen den Flughafenausbau angeklagt sehe. Weiter legte sie ihre Beweggründe ausführlich dar.

Der vom Vorsitzenden gewählte Hochsicherheitssaal mit Trennscheibe zwischen Publikum und Gericht vermittelte den Anwesenden den Eindruck, es gehe um eine schwerwiegende Kriminalsache, was die Angeklagte als Vorverurteilung und Kriminalisierung des gewaltfreien Widerstands wertete.
Mit dem Erscheinen des ersten Zeugen, der auch auf Antrag der Angeklagten seine Dienstwaffe nicht ablegen musste, fühlte sich diese nicht länger in der Lage in einem solchen Klima zu verhandeln. Sie stellte einen Befangenheitsantrag, den sie damit bekräftigte, dass der
Richter das Stellen des Antrags zunächst untersagt hatte und mit Ordnungsgeld wegen „ungebührlichen Verhaltens“ drohte, als sie auf diesem beharrte. Eine Entscheidung darüber steht noch aus.

Aus der Beweisaufnahme ergaben sich dagegen keine Anhaltspunkte für eine strafbare Handlung: So konnte beispielsweise nicht belegt werden, dass das Erklimmen der Dachkonstruktion des Hauptbahnhofs verboten sei. Der Vorwurf der Nötigung bei der Besetzung einer Rodungsmaschine fiel mangels eines erkennbaren Nötigungsopfers aus. Auch der angebliche Widerstand bei der Räumung aus dem Harvester konnte nicht belegt werden, viel mehr wurde die Missachtung von Höhenrettungssicherheitsvorschriften durch die Polizei zu Tage gefördert. Schließlich kam heraus, dass die Strafanträge der DB AG und Fraport AG womöglich Formfehler enthalten und deswegen ungültig sind. Auf eine Einstellung des Verfahrens ließ sich die Staatsanwaltschaft jedoch nicht ein, da sie offensichtlich eine Verurteilung um jeden Preis anstrebt.

Die Urteilsverkündung wird voraussichtlich am nächsten Verhandlungstag dem 31. März erfolgen.

Vortrag über Klimaschutz von unten in der offenen Uni Freiburg

Mittwoch, März 17th, 2010

Am Mittwoch den 24.03 findet um 17:00 Uhr ein Workshop über Klimaschutz von unten statt, im Rahmen der offenen Uni Freiburg, die jeden Mittwoch in der KTS in Freiburg stattfindet. Die Idee der offenen Uni ist es einen Raum zur Verfügung zu stellen, in dem Wissen weitergegeben werden kann frei von jedem Zwang, und jeder Zugangshürde wie Gebühren oder benötigten Abschlüssen.
Weitere Infos zur offenen Uni gibt es hier: offeneunifreiburg.blogsport.de

What the hell is digger diving?

Dienstag, März 16th, 2010

Digger diving ist in Großbritannien in den letzten Jahren zu einer beliebten Aktionsform geworden und heißt frei übersetzt soviel wie Bagger stoppen. Ein Interview ins Deutsche übersetzt um ein paar Hintergründe zu vermitteln.

Frage: Was ist digger diving und warum machst du das?

Antwort: Die Bezeichnung digger diving wurde in den 90ern geprägt, während Hunderte und Aberhunderte versuchten ein massives Straßenbauprogramm zu stoppen. Es bedeutet, dass du deinen Körper benutzt um schweres Gerät wie Bagger und Bulldozer zu stoppen. Du kannst vor ihnen stehen, auf ihnen sitzen, oder dich an ihnen festketten. Es ist eine wirklich effektive und selbstermächtigende direkte Aktion – während du auf einem Bagger sitzt stoppst du ihn direkt dabei die Erde aufzureißen. Es unterbricht die Arbeit und kann der Firma einiges an Geld kosten, je nachdem wie lange du ihn stoppen kannst. Und das beste ist: Es braucht nur ein paar Leute dafür. Schon mit 3 Leuten kannst du eine große Wirkung erzielen, auch Vorbereitung braucht es nicht viel. Einige Stunden Planung reichen aus – keine endlosen Plenas.

Frage: Wie bist du zum digger diving gekommen?

Antwort: Ich wurde wirklich frustriert mit Massenaktionen – sie brauchen soviel Arbeit und funktionieren nicht wirklich, im Sinne von Dinge zu verhindern (shutting things down), weil die Bullen in der Regel zuerst da sind. Dann hat mich ein Freund der viel digger diving betreibt gefragt ob ich bereit wäre für eine solche Aktion. Eine Handvoll von uns, hat sich in der Nacht zuvor getroffen, und haben auch in ein paar Karten geguckt, und einen Plan ausgearbeitet. Am Morgen sind wir in einen Van gesprungen und zu dem Gelände gefahren. Wir mussten nur über einen kleinen Zaun hüpfen und schon waren wir in der Mitte der Mine. Wir gingen geradeaus auf den Bulldozer zu, der uns am nächsten stand. Ein paar von uns liefen auf ihn zu mit einem großen Banner, so dass der Fahrer uns sehen musste, während die anderen zurückblieben bereit um auf die Maschine zu klettern sobald sie stehen sollte. Es gab viel Macho-Gehabe von dem Fahrer in den ersten Minuten. Danach beruhigte sich alles und wir mussten nur noch uns selber und die Arbeiter unterhalten.

Frage: Wie hast du dich dabei gefühlt?

Antwort: Das erste Mal war es recht gruselig auf einen massiven Bulldozer zuzulaufen, und darauf vertrauen zu müssen, das der Fahrer schon stoppen wird und dich nicht einfach zu Matsch fahren wird.

Es gab einen Moment als er uns gesehen hatte aber noch nicht stoppte. Ich vermute er wollte abchecken, ob er uns verängstigen kann. Aber dann stoppte er und ich konnte es kaum glauben, wie einfach es am Ende war. Auf dem Dach eines solchen Monsters zu sitzen ist wundervoll. Es ist ein großartiges Gefühl zu wissen, dass der Haufen Metall gestoppt hat den Grund aufzureißen, weil du da sitzt. Viel direkter geht direct action kaum. Ich hab seitdem einige digger diving Aktionen seitdem gemacht, und hatte meistens einen Ich-will-nach-Hause-Moment wenn ich die Maschinen das erste Mal aus der Ferne rumpoltern gehört hatte, aber dann am Ende der Aktion will ich jedesmal wiederkommen am nächsten Tag und dem darauf und dem darauf. Es gibt wenige Dinge die soviel bewegen mit einem so geringen Aufwand.

Frage: Das ist sicherlich alles nicht legal und bringt dich in Schwierigkeiten

Antwort: Also in den 90ern wurde eine neue Straftat erfunden um genau gegen solchen Aktionen vorgehen zu können. Es ist der schwere Hausfriedensbruch (aggravated tresspass), was heißt dass du auf dem Land von jemandem anderen bist und du ihn behinderst (oder beabsichtigst ihn dabei zu behindern) eine legale Aktivität auszuführen, in diesem Fall die Umwelt zu zerstören. Es ist aber eine recht geringe Strafe, die darauf steht, Leute bekommen normal eine Geldstrafe von 100 bis 200 Pounds. In Schottland werden die Leute bestraft wegen Landfriedensbruch (breach of peace) mit ähnlichen Folgen. Ich finde, ich habe keine große Wahl – der Staat wird neue Gesetzte schaffen gegen jede Aktion die effektiv ist, und einige Leute müssen diese Gesetzte dann wieder brechen, wenn wir eine Chance haben wollen, die Zerstörung des Planeten zu stoppen.

Es ist auch möglich, ohne Ingewahrsamnahme davonzukommen, wenn du eine Schmiere hast die dir Bescheid sagt wenn die Bullen kommen – irgendwann zwischen 30 Minuten und ein paar Stunden. Oft wollen Leute aber natürlich die Arbeiten so lange wie möglich stoppen und sind bereit, dafür einen Prozess zu riskieren. Manchmal haben Leute D-Locks dabei (Bügelschlösser um sich mit dem Hals festzuketten) um sich an die Maschine festzuketten, was bedeutet, dass die Bullen Spezialisten holen müssen, um dich da wegzuholen, was Jahre dauern kann. Digger divin teams entscheiden in der Regel davor, wie lange sie auf dem Gelände bleiben wollen.

Frage: Was sind deine Erfahrungen mit den ArbeiterInnen?

Antwort: Wirklich gemischt. Das erste Mal wenn ihnen so etwas geschieht sind sie wirklich angepisst. Was hilft sie zu beruhigen ist ihnen Gesundheits- und Sicherheitsregeln zu erklären, welche besagen, dass, sobald jemand die „riskante Zone“ um eine Maschine betritt, muss sie aufhören sich zu bewegen und muss abgeschaltet werden. Wenn sie die Maschine nicht abschalten und jemand verletzt wird, ist es rechtlich ihr Fehler. Ich glaube sie fühlen sich weniger bedroht, wenn sie abschätzen können was auf sie zukommt. Ich nehme Tee und Kekse mit und biete sie ihnen an und versuche mit ihnen ins Gespräch zu kommen.

Es hängt auch davon ab, ob sie nach Stunde oder nach verrichteter Arbeit bezahlt werden. Ich hatte schon ArbeiterInnen die mir den besten Platz zum festketten zeigten, um ihre bezahlte Teepause zu verlängern. Das letzte Mal als ich auf einen Bagger zulief war der Fahrer wirklich froh uns seine Lebensgeschichte erzählen zu können – er schaltete den Motor schon aus, als wir noch weit weg von der Maschine waren und erzählte uns von dem Land das seine Schwester an eine Kohlemine verloren hatte, und seinem Onkel der in einer Kohlemine umgekommen war und wie er sich wirklich totschuftet um auf einen kleinen Bauernhof zu sparen – es ist eine beschissene Welt. Und manchmal hast du ArbeiterInnen die verrückte Sachen machen, wie auf einmal losfahren, während du auf den Rädern stehst.

Frage: Das klingt, als ob es viel gibt was schief gehen könnte.

Antwort: Es gibt einige Sachen die ich in den letzten Jahren gelernt habe. Die Arbeit fängt normal so früh an, dass sie einfach zum Mittagessen unterbrechen wenn du viel später als 10 Uhr anfängst. Oder einige Male hab ich bei starkem Regen losgelegt um dann festzustellen, dass sie gar nicht arbeiten, weil die Erde zu matschig war. Eine andere Sache ist, dass die Fahrer dich oft nicht sehen oder hören können, ihre Fahrzeuge haben viele tote Winkel und machen viel Lärm. Es hilft Warnwesten zu tragen und große Stoppschilder. Und ich versuche immer aus der Richtung zu kommen, in die der Fahrer/die Fahrerin sowieso guckt. Ich suche mir immer sehr genau aus wo ich mich festkette. Sicherlich nicht am Auspuff, der mir den Hals verbrennen würde. Am liebsten gehe ich ganz nach oben auf die Kabine oder auf den Arm vom Bagger, weil ich dann außer Reichweite bin wenn die Bullen eintreffen. Aber es gibt auch andere Möglichkeiten für Menschen mit Höhenangst. Eine Kamera um gefährliche Aktionen der ArbeiterInnen aufzunehmen ist gut, aber ich habe auch gesehen, wie ArbeiterInnen die Kamera einfach zerstörten.

Frage: Was tragen all die Kids auf den Maschinen diese Saison? Was ist der letzte Schrei der Digger Diving Mode?

Antwort: Hohe Stiefel und eine dicke Filz-Weste sind ein Muss. Du wirst wirklich eingematscht werden, deine Sonntagsklamotten zu tragen ist also keine gute Idee. Hoch auf einem Bagger zu sitzen kann wirklich kalt sein, also trage definitiv thermische Unterwäsche. Wollschals und Bobbelmützen erleben ein Revival.