Zu den vielen tausend bestehenden Massentierhaltungsanlagen sollen in den nächsten Monaten und Jahren in Deutschland noch hunderte dazukommen. Allein im Jahr 2009 wurden mindestens 120 neue Anlagen beantragt, beraten oder genehmigt. Bei diesen 120 handelt es sich ausschließlich um Großanlagen. Die Auswirkungen, dieser Anlagen sind schlimm und genauso vielfach wie gute Argumente gegen diese Anlagen: angefangen damit, dass Tiere keine Waren sind – oder nicht sein sollten – und schon gar nicht auf diese Weiße gequält werden sollten, über ökologische Argumente, da Massentierhaltung einen erheblichen Anteil am globalen Klimawandel verursacht (aber auch versäuerte Böden und Gewässern) bis hin zu den Negativauswirkungen vor Ort wie Gestank, Feinstaub, oder die Umstrukturierung der Landwirtschaft hin zu immer größeren Einheiten (ohne eine kleinbäuerliche Struktur idealisieren zu wollen, ohne dahinterstehenden Wirtschaftsstrukturen zu beachten). Auf alle diese Argumente will dieser Artikel näher eingehen.
Nun bekommen die Pläne der Tierquallobby Gegenwind:
Nachdem schon vielerorts lokale Bürgerinitiativen gegen einzelne Anlagen kämpfen, haben nun AktivistInnen die Tierhaltung komplett ablehnen, allen geplanten Anlagen den Kampf angesagt und führten in Wietze bei Celle eine direkte Aktion durch. In der Nacht auf den 24. Mai besetzten etwa 30 TierhaltungsgegnerInnen einen Acker bei Wietze, auf dem noch dieses Jahr Europas größter Hänchenschlachthof entstehen soll, der 420 riesige Hähnchenmastanlagen in der Region nach sich ziehen würde. Die AktivistInnen besetzten das Feld mit einem 12 Meter hohen Turm und einem Botonfass, an das sich AktivistInnen, im Falle einer Räumung durch die Staatsmacht festketten wollen. Auf der Besetzung wird nun ein Camp errichtet, welches aufrecht erhalten werden soll, bis die Pläne für den Schlachthof beigelegt werden.

Die Besetzung

Das Feld ist nun besetzt und ein Camp wird errichtet. Dieses soll als Plattform für eine Ausseinandersetzung mit den lokalen AnwohnerInnen (welche größtenteils klar gegen diese Anlage sind) und sonstigen SchlachthofgegnerInnen dienen. Auch BefürworterInnen, welche mit uns diskutieren wollen sind willkommen.
Ein inhaltliches und kulturelles Programm für die nächsten Tage wird aufgestellt werden. Die BesetzerInnen freuen sich auf möglichst viele Leute, die sich an der Besetzung beteiligen wollen. Kommt vorbei! An Materialien wird auf der Besetzung noch folgendes benötigt: Bauholz, Brennholz, veganes Essen, Besteck,…
Soliaktionen in anderen Städten sind ebenfalls erwünscht. Genauso wie Menschen, die mit ähnlichen oder anderen direkten oder kreativen Aktionen andernorts gegen Tierausbeutung, oder gegen die Gesamtscheiße Widerstand leisten.
Wer für die Aktion spenden will, kann dies auf folgendes Konto tun:
Erreichen können sie das Camp unter 0162 1966288. Ortsbeschreibung: Wietze bei Celle, Ortsausgang West in der Nienburger Straße direkt beim Kreisel. Bushaltestelle Nienburger Straße aussteigen, und du stehst praktisch vor dem Kreisel an welchen das Feld angrenzt.

Das geplante Massentierhaltungsprogramm

Bei den 120 geplanten und genehmigten Anlagen handelt es sich ausschließlich um Großanlagen, das heißt:
Bei Geflügelanlagen, wurden nur die mit mindestens 8.000 Tieren berücksichtigt; die meisten Anlagen haben jedoch eine Größe zwischen 40.000 und 200.000 Tieren.
Bei Schweineanlagen wurden nur Anlagen mit mindestens 8.500 Tieren einbezogen; meistens sollen zwischen 11.000 und 100.000 Tieren gehalten werden.
Bei Milchproduktionsanlagen wurden nur die mit einer Mindestgröße von 400 Tieren beachtet.

Wie auf der Karte gut zu erkennen ist, konzentrieren sich die neuen Standorte in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und dem Gebiet rund um die A7.
Entlang der A7, auch „Geflügel-Highway“ genannt, sind vor allem rund um Celle etwa 420 neue Anlagen mit ca. 40.000 Hühnern angedacht. Diese sollen im Falle einer Genehmigung des in Wietze geplanten Geflügelschlachthofs von Emsland Frischgeflügel als Zulieferquelle dienen.
In Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt sollen jeweils mindestens zwischen 20 und 25 neue Riesenanlagen entstehen. Darunter beispielsweise Europas größte Ferkelzuchtanlage in Alt-Tellin, M-V, mit etwa 11.000 Muttersauenplätzen und 38.000 Ferkelplätzen und eine Geflügelzuchtanlage in Sachsen-Anhalt mit 215.000 Legehennen und 535.000 Mastgeflügeln.
Die beiden Bundesländer locken Investoren besonders wegen ihren großteils ländlichen Strukturen und der hohen Arbeitslosigkeit. So lassen sich Teile der Bevölkerung schon mit der Versprechung von etwa 40 Arbeitsplätzen überzeugen.
Es gibt jedoch auch viele Menschen, die sich mit solch fadenscheinigen Argumenten nicht überzeugen lassen und genauer hinterfragen, welche Folgen derartige Anlage mit sich bringen.

Durch den Schlachthof entstehender Hähnchenhighway A7

Um den geplanten Hähnchenschlachthof in Wietze bei Celle – mit 432.000 Schlachtungen am Tag, Europas größter überhaupt – beliefern zu können sollen entlang der A7 etwa 400 Hähnchen- Großanlagen entstehen. Das hat vielschichttige soziale und ökologische Umstrukturierungen und Zerstörungen zur Folge. Dabei ist die Region kein Einzelfall, sondern wird hier als Beispiel herausgegriffen. Vielerorts steht ein ähnlicher Boom von Tierfabriken an – wie zum Beispiel in Mecklenburg Vorpommern mit Schweineanlagen.

Die Firma Rothkötter, welche den Mega-Schlachthof betreiben will, wirbt massiv bei Landwirten dafür, die Erzeugung von pflanzlicher Nahrung einzustellen und stattdessen eine Hähnchen-Mastanlage zu betreiben. Denn für die Auslastung des Schlachthofes werden nicht bloß viele Ställe gebraucht, sondern viele große – für 40 000 Tiere und mehr. Eine massive Umstrukturierung der gesamten Region wäre damit einhergehend:

  • Ohne eine kleinbäuerliche Landwirtschaft idealisieren zu wollen – auch hier werden die Landwirt_innen immer mehr abhängig von Saatgutunternehmen, und überhaupt ist die Produktion ausgerichtet am kapitalistischen Markt und nicht an den Bedürfnissen von Menschen, hat also mit Selbstbestimmung wenig zu tun, und auch hier findet tagtäglich Tierausbeutung statt – werden große Tierfabriken zu mehr hierarchischen Strukturen und weniger Selbstbestimmung führen: Viele Bauern die durch die Industrialisierung der Landwirtenschaft ihren Hof aufgeben müßen, werden als Arbeiter_innen in den Mastanlagen eingestellt, verlieren also jede Selbstbestimmung, die Anlagen wiederum sind Zahnrad eines industriellen Systems, haben also feste Vorlagen, statt die Möglichkeit auf Selbstbestimmung.
  • Bei der Hähnchenmast entsteht viel Ammoniak, was dazu führt, dass es großflächig um die Anlagen herum so stark stinkt, dass es unmöglich wird die Wäsche aufzuhängen oder sich draußen aufzuhalten. Zudem verursacht Ammoniak Feinstaub und eine erhöhte Erkrankung an Allergien und Asthma. Krankheitserreger können aus den Anlagen entweichen.
  • Umweltauswirkungen: Das Ammoniak, welches bei der Hähnchenmast entsteht und durch den Dung auf die Felder ausgebracht wird, hat verherrende Auswirkungen auf die natürliche Umwelt: Die Böden versäuern, die Gewässer veralgen und sterben ab (weil die Algen ihnen den Sauerstoff entzieht), das Grundwasser wird teilweise gesundheitsgefährdent und über den sauren Regen der ebenfalls im Ammoniak seine Ursache hat, ist für das Waldsterben verantwortlich.

Die Anzahl an Hähnchen, die in Celle täglich umgebracht werden, ist fast unvorstellbar: 27 000 in der Stunde, 2,59 Millionen in der Woche, 134,7 Millionen im Jahr, das heißt, jedes halbe Jahr kommen alleine in Celle soviele Hähnchen um, wie Menschen in Deutschland leben.
In den Anlagen, die dem Schlachthof zuliefern sollen, werden 20 bis 25 Tiere pro Quadratmeter gehalten. Das Ziel ist die schnellstmögliche Gewichtszunahme, deshalb sollen sie sich so wenig wie möglich bewegen können. Artgemäßes Verhalten wie Scharren, Sandbaden, Flügelschlagen und Eigenkörperpflege ist so gut wie ausgeschloßen. Der soziale Stress führt zu Federpicken und Kannibalismus, die hohe Besatzdichte zugleich zur Vermehrung und Verbreitung von Krankheitskeimen, die schnelle Gewichtszunahme zu Beinschwäche, Lahmheiten und Fußballenerkrankungen. Am Ende liegen die Tiere nur noch dicht gedrängt. Nach nur ca. 35 Tagen kommt das „Einsammeln“ der Masthühner, oft erfolgt es maschinell. Enge Transportkäfige bedeuten ebenfalls gebrochene Beine oder Flügel. Aber ärztliche Behandlung, auch Füttern und Tränken sind vor der Schlachtung aus Profitgründen nicht mehr vorgesehen.

Tierhaltung und Klimawandel

Dass der Klimawandel langfristig für die Menschheit eine existenzielle Bedrohung darstellt, und für manche Menschen in manchen Gegenden der Welt, das auch heute schon ist, dürfte inzwischen kein Geheimnis mehr sein. Dass der Klimawandel durch die Verbrennung fossiler Energien verursacht wird, und das so schnell wie möglich gestoppt werden muss, auch nicht. Weit weniger bekannt aber ist, dass die Haltung von Tieren, zum Verzehr deren toter Körper oder ihrer Milch oder Eier, einen ähnlich hohen Anteil am Ausstoß von klimarelevanten Gasen verursacht.

Hauptsächlich sind Landnutzungsänderungen Schuld an der schlechten Klimabilanz von Tierprodukten. So wird die Rodung und Brandrodung von Regenwäldern und anderen Wäldern, oder das Trockenlegen von Mooren genannt. Größtenteils passiert das, weil Flächen für den Futtermittelanbau oder für Viehweiden benötigt werden. Da Wälder und vor allem auch Hochmoore extrem viel CO2, als Kohlenstoff in der Vegetation und in den Böden gespeichert haben, Sojaplantagen und Kuhweiden hingegen weit weniger, wird bei der Landnutzungsänderung viel CO2 freigesetzt.

Da der weltweite Fleischkonsum weiterhin ansteigt – von 1970 auf 2005 hatte er sich verdoppelt auf 267 Millionen Tonnen pro Jahr – fressen sich die dafür benötigten Flächen immer weiter in die Regenwälder. In den letzen 40 Jahren wurden 40% der globalen Regenwaldfläche hauptsächlich dafür zerstört (70% des abgeholzten Amazonaswaldes werden für Viehweiden verwendet und der Futtermittelanbau belegt einen Großteil der restlichen 30%).
Konkret sieht das meist so aus, dass kleinbäuerliche Gemeinschaften von den Flächen auf denen sie leben für monokulturelle Landwirtschaft vertrieben werden, sich dann neue Flächen in den Regenwald brandroden, von denen sie dann erneut vertrieben werden. Fälschlicherweise werden deshalb oft diese kleinbäuerlichen Gemeinschaften für die Brandrodungen verantwortlich gemacht.

Der Konsum tierischer Produkte ist deshalb in weit höherem Maß verantwortlich für die Landnutzungsänderungen (verglichen mit planzlicher Nahrung), weil für die gleiche Anzahl pflanzlicher Kalorien viel weniger Fläche benötigt wird, als für tierische Kalorien. So können auf der gleichen Fläche entweder 6000 kg Karotten angebaut werden, oder 50 kg Fleisch produziert. Denn ein Tier, welches gefüttert wird mit pflanzlicher Nahrung verbrennt ein Großeil dieser pflanzlichen Kalorien und setzt nur ein Bruchteil um in Fleisch, Milch oder Ei.

Der weltweite Verbrauch von tierischen Produkten darf also auf keinen Fall weiter ansteigen, um nicht noch mehr Wälder oder Moore in landwirtschaftlichen Nutzfläche zu verwandeln. Andersherum könnte die Verringerung des Konsums tierischer Produkte – im Idealfall eine konsequent vegane Ernährung (zumindest in der ersten Welt, deren omnivore Ernährung die meisten Auswirkungen verursachen). Eine großflächige Wiederaufforstung ermöglichen, wodurch der Atmosphäre langfristig wieder CO2 entzogen werden könnte.

Bei einer heutigen Fläche von 5 Milliarden Hektar landwirtschaftlich genutzter Fläche würden etwa 2,5 Milliarden Hektar freiwerden, wenn sich alle Menschen nur noch rein pflanzlich ernähren würden.
Nehmen wir an, dass von den 2.5 Milliarden Hektar sich 1,5 Milliarden in Regionen befinden, in denen Wald wachsen würde, und gehen wir davon aus, dass durchschnittlich 2 Tonnen Kohlenstoff pro Hektar neu wachsender Wald und Jahr gebunden werden können (verschiedene Wälder können verschieden viel Kohlenstoff binden). Dann würden bei Wiederaufforstungen jährlich 3 Milliarden Tonnen Kohlenstoff in den nächsten 100 Jahren gebunden werden können. Weitere 1.6 Milliarden Tonnen würden weniger freigesetzt, durch den Stopp von Rodungen. Insgesamt würden 4.6 Milliarden Tonnen pro Jahr im Vergleich zu heute eingespart. Durch das Verbrennen von fossilen Brennstoffen werden jährlich 5.5 Milliarden Tonnen freigesetzt. Würden diese gestoppt, wäre es so sogar möglich den Kohlenstoffgehalt in der Atmosphäre innerhalb der nächsten Jahrzehnte wieder zu senken.

Weitere Umweltauswirkungen

  • Waldsterben: Zu viel Stickstoff (N) in Form von Ammoniak (NH3) gilt als hauptverantwortlich für das Waldsterben. Die Ammoniak-Emmissionen widerrum stammen zu etwa 90% aus Jauche und Mist, also aus der Tierhaltung.
  • Feinstaubbelastung: Dasselbe Ammoniak spielt eine entscheidene Rolle bei der Entstehung von gesundheitsschädlichem Feinstaub. Sekundäre Aerosole entstehen in der Atmosphäre daraus, welche als Feinstaub (PM10) alleine in der Schweiz für jährlich 3700 Tote verantwortlich sind.
  • Zerstörung von Gewässern: Schon wieder dieses Ammoniak aus der Tierhaltung, ist ebenfalls mit verantwortlich für den schlechten Zustand fast aller Gewässer. Hier bewirkt die Überdüngung ein unnatürlich starkes Wachstum von Algen, wodurch dem Wasser der Sauerstoff entzogen wird. Einige Gewässer müssen sogar mit Sauerstoffgebläsen künstlich beatmet werden. Allgemein ist die Massentierhaltung für etwa 50 % der Wasserverschmutzung verantwortlich. Das daraus stammende Nitrat verschmutzt vielerorts sogar das Grundwasser.
  • Übersäurung des Bodens: Ammoniak und Stickoxide sorgen über den sauren Regen vielerorts für übersäuerte Böden.

Speziesismus + Kapitalismus = Massentierhaltung

„Massentierhaltung ist wirklich schlimm, deshalb kaufe ich nur aus fairer Haltung“, so, oder so ähnlich kann mensch es aus bürgerlich besorgten Haushalten lauten hören. Darum werden dann nur Bio-Eier aus Bodenhaltung gekauft, das Fleisch direkt beim Metzger, der einem versichert, daß die Tiere ein glückliches Leben hatten, und viel Auslauf. Und schon ist mensch selber nicht mehr verantwortlich für die Qualen und anderen Auswirkungen der Massentierhaltung, sondern die anderen sind es. Abgesehen davon, dass jede Tierhaltung Qualen und ein fremdbestimmtes Leben der Tiere mit sich bringt, werden hier, wie das im Milieu derer, die es sich leisten können üblich ist, die Funktionsweisen des Kapitalismus außer Acht gelassen:

Die Sparte der bio/fair produzierten Produkte hat eine doppelte Funktion. Zum einen kann die Mittel- und Oberschicht sich so von ihrem schlechten Gewissen freikaufen, während sie sich gleichzeitig eine 1. Klasse-Ernährung gönnt. Zum anderen soll eben suggeriert werden, dass es innerhalb der kapitalistischen Wirtschaftslogik möglich wäre „fair“ zu produzieren.
Das ist es aber nicht, sondern eben nur als Sparte für Reiche (einmal angenommen diese Produktion wäre wirklich fair). Für die Produktion für alle anderen gilt, dass die Produktion so billig wie möglich sein muss, da es sich diese Menschen nicht leisten können Kaufentscheidungen nach anderen Kriterien, wie dem billigsten Preis zu fällen.

Also werden die Anlagen immer größer, und pro Fläche werden, aus Profitmaximierungsgründen, immer mehr Tiere gehalten (umso weniger können die Tiere sich bewegen, und umso mehr gefütterte Kalorien werden in Fleisch umgesetzt). So fallen die wenigsten Kosten pro Kg Fleisch an. Die Gesetzgeber unterbieten sich mit Mindestgrenzen an Platz für die Tiere aus Fürsorge mit ihren Nationalökonomien und den dazugehörigen Standorten. Mit teuren Werbekampangen, von Steuern finanziert, die zum Beispiel suggerieren, dass Gesundheit abhängig wäre vom Verzehr tierischer Produkte, wird dieser angekurbelt – weltweit.

Dieser steigende, hohe Konsum kann aber nicht mit „fair gehaltenem“ frei rumlaufendem Fleisch, oder sonstigen Tierprodukten, gedeckt werden, auch nicht, wenn alle sich das finanziell leisten könnten. Zu groß wären die benötigten Flächen und zu groß die damit verbundene Arbeit.
So bleibt also festzustellen, dass teuer „fair gehaltene“ (was auch immer das bedeuten soll) Tierprodukte nur die andere Seite von Massentierhaltung sind, der Medaille die da heißt: Speziesimus und Kapitlismus.

Gegen jede Tierhaltung

Die Besetzung findet aber nicht statt um lediglich bessere Haltungs- bzw. Schlachtungsmethoden für nicht-menschliche Tiere zu fordern, sondern
um das generelle Ende der Tierhaltung und -ausbeutung zu fokussieren. Das Ende eines Herrschaftsverhältinsses von Menschen über nicht-menschliche Tiere wird angestrebt.
Im dekonstruktivistischen Sinne, soll auch das Konstrukt scharfer Abgrenzungen zwischen Spezien (welche biologisch kompletter Humbug sind) sowie insbesondere der konstruierte Dualismus Mensch-Tier angegriffen werden.
Genauso wie die Konstrukte von verschiedenen Rassen oder von zwei Geschlechtern wird zum Beispiel der Mensch-Tier Dualismus diskursiv widerholt, bis er sich als „subjektive Realität“ in den Köpfen festsetzt, durch die dann alle Wahrnehmungen in diesem Schema eingeordnet werden, und sie so noch stärken.
Was ein Schwachsinn dieser Mensch-Tier Dualismus in Wirklichkeit aber ist, wird schnell klar, wenn sich vor Augen geführt wird, dass weder alle „Tiere“ gleiche Eigenschaften besitzen noch alle „Menschen“, und dass beispielsweise ein Schimpanse deutlich mehr Ähnlichkeiten mit einem Menschen aufzeigt, als mit einem Feuersalamander. Unterschiedlichkeiten in den Fähigkeiten verlaufen also nicht zwischen Menschen und allen anderen Tieren, sondern fließend von Art zu Art, oder eher von Individuum zu Individuum.
Eine zugeordnete Wertigkeit Aufgrund der Artzugehörigkeit sollte abgelehnt werden, und ein Möglichst herrschaftsfreier Umgang mit allen Individuen angestrebt werden.

Wo Parallelen zu anderen Konstrukten wie Rassen oder die Aufteilung der Menschen in zwei Geschlechter gezogen werden können, muss allerdings auch differenziert werden, da zwischen Menschen Kommunikation und Interaktion stattfinden Kann, was zwischen Menschen und nicht-menschlichen Tieren kaum möglich ist.
Daraus ergibt sich zum Beispiel dass nicht-menschliche Tiere meist nur Objekt und nicht Subjekt einer Befreiung sein können, sowie dass eine Grenzüberschreitung nicht direkt kommuniziert werden kann, sondern von Menschen interpretiert werden muss.
Gerade deshalb gilt es aber für einen herrschaftsfreien Umgang mit nicht-menschlichen Tieren ihnen immer die Möglichkeit zu lassen, durch weglaufen, eine Beziehung oder eine Kooperation zu kündigen.
Wer argumentiert, dass Tierhaltung schon ok wäre, weil es ja sein könnte, dass die Tiere nichts dagegen haben, befürwortet also, dass mit allen Lebewesen die nicht kommunizieren können nach belieben umgegangen werden kann.
Und da wird es gefährlich: Eine, den TierbefreierInnen oft fälschlicherweise vorgeworfene, singerische Ideologie, wird erst möglich, wenn Tiere als auszubeutende Lebewesen angesehen werden. Sprich: Die Frage, ob mensch „Behinderte“ aus volkswirtschaftlichen Gründen „wegrationalisieren“ soll, wird erst dann möglich, wenn dies überhaupt ein denkbarer Umgang mit Lebewesen ist. Wer grundsätzlich für einen herrschafts- und gewaltfreien Umgang mit allen Lebewesen eintritt, muss sich diese Fragen gar nicht stellen.

Links zum Thema

Blog der Besetzung

Klimawandel und Tierhaltung: 1, 2

Antispeziesismus und Tierbefreiung: 1, 2, 3, 4