Vergangenes Wochenende, vom 9. bis zum 11. August fand in Wietze, auf der Besetzung gegen Europas größten geplanten Geflügelschlachthof ein Skillsharing-Camp statt. Ziel war es Fähigkeiten zu vermitteln die mensch braucht für eine Platzbesetzung, Blockadeaktionen aller Art, oder für den Widerstand allgemein, um so ein empowerment, eine Selbstermächtigung von unten  zu stärken. Mit etwa  50 TeilnehmerInnen lag die Beteiligung etwa im Rahmen der Erwartungen der Vorbereitungsgruppe. Trotz der Hitze war das Wochenende recht produktiv. Es fanden Workshops statt über offensive Prozessführung, Blockadetechniken, Turmbau und mehr. Blockadevorrichtungen wurden erbaut, so wurde zum Beispiel ein zweiter Turm hochgezogen, der den bisherigen nun um einiges überragt. Es wurde über einen Umgang mit einer möglichen Räumung diskutiert, und eine Vernetzung von Menschen aus verschiedenen Spektren fand statt.

Die recht große Beteiligung zeigte auch, dass die Besetzung und der Widerstand gegen die Anlage inzwischen von vielen Menschen und Gruppen aus den verschiedensten Städten und politischen Spektren getragen und unterstützt wird. Diese breite Beteiligung ist auch dringend nötig und gerechtfertigt. Denn der geplante Schlachthof in Wietze bestätigt nicht nur durch die Zahlen und die unvorstellbare Größe (7,5 geschlachtete Hähnchen pro Sekunde) die Unverantwortlichkeit der PlanerInnen und eines auf Speziesismus und Kapitalismus beruhenden Systems, sondern bedeutet auch die komplette Umgestaltung einer gesamten Region für die industrielle Hähnchen-Großproduktion. So müssen für die Auslastung des Schlachthofes 420 Großmastanlagen entstehen mit je 400 000 Hähnchen – im Umkreis von 100 Kilometern zum Schlachthof. 420 Großanlagen, welche jede für sich eine unvorstellbare Dimension an tierischem Leid mit sich bringt – gequält von der ersten bis zur letzen Sekunde ihres Lebens, nur geboren um in möglichst kurzer Zeit für möglichst wenig Kosten geschlachtet werden zu können. 420 Anlagen, welche jede für sich Gestank und viel Verkehr mit sich bringt, und so die Lebensumstände der AnwohnerInnen massiv verschlechtert, und zudem durch den Geflügelkot die gesamte Umgebung mit Ammoniak verseucht – Felder,  Grundwasser, Regen, Flüsse, bis zur Mündung ins Meer,… Hinzu kommt, dass durch den entstehenden Feinstaub Gesundheitsrisiken für die AnwohnerInnen entstehen.

Um diese Auswirkungen alle zu verhindern ist der Schlachthof ein geeigneter Angriffspunkt. Mit ihm steht und fällt dieser Wahnsinn. Und genau jetzt ist die Zeit für den Widerstand. Denn die Betreiberfirma Rothkötter will das Gelände schon in den nächsten Tagen kaufen und Anfang August bereits mit dem Bau beginnen. Das alles wurde letzte Woche auf einer Stadtverordnetenversammlung – unter kreativem Protest der GegnerInnen – beschlossen. Obwohl noch nicht alle Genehmigungen zum Bau durch sind will Rothkötter nun einfach mal Anfangen – das Kalkül: Ein Projekt in das bereits soviel investiert wurde, wird keine Stelle mehr absägen.

Durch diese Entwicklung ist eine Räumung des Camps nun jederzeit möglich. Kommt deshalb zahlreich und so schnell wie möglich auf die Besetzung. Die Aktionswoche vom 30. Juli bis 8. wird in jedem Fall stattfinden. Im Falle einer Räumung werden die BesetzerInnen sich um einen Ausweichsort bemühen.