Jeden Sommer veranstaltet die Umweltschutz- organisation Robin Wood eine Floßtour. Etwa einen Monat wird über Flüsse gefloßt, zu jeweils verschiedenen Themen. Unterwegs werden dann Aktionen durchgeführt, oder Diskussionsveranstaltungen. Das diesjährige Thema ist „Klimaschutz selber machen“. „Sie werden damit rund vier Wochen lang auf Neckar, Rhein und Main unterwegs sein, um Menschen für den „Klimaschutz von unten” zu gewinnen“, heißt es bei Robin Wood. Die Floßtour ist offen gestaltet, und alle interessierten AktivistInnen eingeladen sie mitzugestalten.

Kritisch zu hinterfragen, bleibt aber, was eine Organisation wie Robin Wood unter „Klimaschutz von unten“ versteht / verstehen kann, sind sie doch durch ihre Struktur angewiesen auf eine Steigerung von Spendengelder. Und somit auf das Wohlgesinntsein einer linksliberalen bürgerlichen Mittelschicht.
Ist in der Einleitung noch davon die Rede den Klimaschtz nicht mehr den verstaubten PoltikerInnen zu überlassen und dass es mehr braucht als Energiesparlampen, wird schon beim ersten Punkt, was Klimaschutz von unten sein soll, klar dass Robin Wood es sich nicht erlauben kann/will, die logische Konsequenz daraus zu ziehen, und radikale soziale Veränderungen zu propagieren, sondern im Gegenteil: „Schreibt Briefe und Petitonen an Politiker_innen“ heißt es dort alles ernstes, den eigenen Widerspruch wohl nicht bemerkend. Ok, Kohlekraftwerke in der eigenen Umgebung (warum denn nur dort, haben sie woanders weniger Auswirkungen aufs Klima?) verhindern solle mensch auch.

Auch die weiteren Punkte sind fast ausschließlich systemkonform. Dass es dabei um mehr gehen soll als um die Energiesparlampe wird nicht ersichtlich. Fast überall wird das selber machen, nur in Form des eigenen Konsumverhaltens propagiert: „Beim Neukauf von Geräten auf den Verbrauch achten, bei voller Maschine und niedriger Temperatur waschen und den Wäschetrockner mal auslassen, Stand-By-Geräte abschalten… und so weiter.“
Den eigenen Energieverbrauch zu reflektieren und auch zu minimieren ist richtig und wichtig, aber stumpf, solange es die Produktions- und Entscheidungsstrukturen der Gesellschaft außer Acht lässt. Denn „selber machen“ oder “ von unten“ muss genau dort ansätzen. Die Propagierung dass die Verbrauchermacht, eine solche sei, unterstützt den bürgerlichen Diskurs, vermindert dadurch die Möglichkeit auf soziale Veränderungen und wirkt dadurch struktuell klimazerstörend.

Unter dem Punkt „sozial wirtschaften“ werden „Tauschringe, Food-CoOps, Umsonstläden, Nutzungsgemeinschaften…“ angeführt. Zwar sind das alles Möglichkeiten sich im Hier und Jetzt sinnvoll zu organisieren und um kapitalistische Sachzwänge abzuschwächen, insbesondere Umsonstläden. Aber als Lösung propagiert anstatt als Strategie, bleiben alle die Dinge auch systemkonform.

Konsequent ist es dann auch, wenn auf der Seite das Klima! Bewegungsnetzwerk verlinkt wird, die sich ebenfalls einer radikalen Herrschaftskritik, zumindest in der Praxis verwehren, anstatt dieser Blog, von welchem ja offensichtlich der Name geklaut ist.

Trotz alledem, oder genau deswegen, finde ich es sinnvoll, an dieser Tour teilzunehmen, auch um dort genau diese Debatten zu führen. Vielleicht sehen wir uns auf dem Floß.