Um auf die Inhaftierung einer Klima-Aktivistin aufmerksam zu machen, veranstalteten einige engagierte Menschen heute vor dem Vattenfall-Kundencenter in der Hamburger Innenstadt ein Straßentheater, dass die von Vattenfall betriebenen Inhaftierung vom KonzernkritikerInnen thematisierte. Die Aktion wurde letztlich durch das Eingreifen der Polizei beendet, die mit ihren Kriminalisierungsdrohungen das Verteilen von Flugblättern unmöglich machte.

„Entschuldigung, sind Sie gegen den Klimawandel?“ fragt eine Person in einem mit schwarzen Streifen und der Aufschrift: „Klimahäftling“ versehenden Maleranzug die Passanten. In einigen Fällen lautet die Antwort: „Nein!“ „Das ist gut!“ antwortet daraufhin ihr verkleidetes Gegenüber: „Dann müssen Sie auch nicht fürchten, dass Vattenfall Sie wegen ihrer Kritik in den Knast stecken lässt! Mit Franziska ist genau das passiert.“ In den meisten Fällen lautet die Antwort jedoch „Ja.“ Daraufhin überreicht der Klimahäftling ein Flugblatt: „Dann muss ich Sie leider bitten, diesem Strafbefehl nachzukommen, und wegen ihrer potentiell gefährlichen Kritik eine Haftstrafe anzutreten.“

Mit ihrem Straßentheater machten unabhängige Aktivist_Innen heute in der Spitaler-Straße vor dem Vattenfall-Kundencenter auf die Inhaftierung der Klimaaktivistin Franziska aufmerksam. Franziska befindet sich vom 13.8.2010 bis zum 27.8.2010 in der JVA Bühl (Ba-Wü) in Haft, weil sie sich weigert, eine Geldstrafe wegen eines angeblichen Hausfriedensbruches zu bezahlen. Franziska war im Sommer 2008 bei einer Aktion gegen den Neubau eines Kohlekraftwerkes in Moorburg auf das dem Energie-Konzern Vattenfall gehörende Gelände gelangt, um dort ihren Protest zu verdeutlichen. Vor ihrem Haftantritt am Freitag sagte sie auf einer Demonstration in Bühl: „Ich werde mich davon nicht einschüchtern lassen. Auch in Zukunft werde ich gegen Vattenfalls menschen-und umweltzerstörende Konzernpolitik protestieren, wann und wo es mir passt!“

Bereits am Sonntag hatte es anlässlich der von Vattenfall gesponserten Cyclassivs eine Transparentkletteraktion an der Köhlbrandbrücke gegeben. Auch dort hing ein kleines Transparent, dass auf die Inhaftierung von Franziska hinwies. Außerdem gab es eine weitere Solidaritätsaktion im Wendland in Dannenberg und zum Ende der Haft wurden weitere Begleitaktionen angekündigt.

Das Flugblatt-verteilen endete abrupt gegen 15:00 Uhr, als drei PassantInnen nach einem Gespräch mit den AktivistInnen das Vattenfall-Kundencenter betreten wollten, um sich ebenfalls „verhaften“ zu lassen. Sie wollten damit deutlich machen, was sie von der Konzernpolitik des Stromerzeugers halten Sie wurden von Securitys am Betreten gehindert und die Polizei wurde herbeigerufen und begann willkürlich, die Personalien umstehender Personen aufzunehmen und (vergeblich) einen Versammlungsleiter zu suchen. „Ich denke, dass es uns gelungen ist, auf die ungerechte Inhaftierung Franziskas hinzuweisen“ kommentierte der Aktivist Jan Hansen die Aktion. „Und es hat sich auch wieder gezeigt, dass die Polizei einseitig die Interessen von Großkonzernen, in diesem Fall der Imagepflege von Konzernen wie Vattenfall gegenüber öffentlicher Kritik, durchsetzt. Ich hoffe, dass viele Menschen unserem Aufruf folgen, und Franziska mit Post unterstützen!“ ergänzt ein Mitstreiter.

Mehr Infos zur Aktion und zur Inhaftierung von Franziska:
http://knast.blogsport.de