Im Oktober 2007 veröffentlichte Nicholas Stern (früherer Weltbank Chefökonom) eine Studie mit dem Ergebnis: Wenn keine Maßnahmen gegen den Klimawandel unternommen werden, werden die Auswirkungen des Klimawandels teurer werden als es Maßnahmen wären, die den Klimawandel zumindest soweit begrenzen, dass keine kostspieligen Folgen entstehen.

Gemessen wird im Bruttoinlandprodukt (BIP). Die Folgen des Klimawandels (wenn keine Maßnahmen getroffen werden) werden jährlich zwischen 5 und 20 Prozent des BIPs kosten, wohingegen wirksame Maßnahmen 1 Prozent des BIPs kosten würden. Sein Fazit: „Die Welt braucht sich nicht zwischen der Vermeidung des Klimawandels und der Förderung von Wachstum und Entwicklung zu entscheiden. (…) Die Bekämpfung des Klimawandels ist langfristig eine Pro-Wachstums-Strategie“.

Klimaschützer auf der ganzen Welt machten Freudenssprünge und sagten sich: Endlich drückt es mal jemand so aus, dass die da oben es verstehen, und als wichtig erachten. Und sie erkannten nicht die Falle in die sie traten. Denn wer sich über diese Studie freut muss seine Logik übernommen haben. Und die besagt erstens, dass innerhalb kapitalistischer Strukturen, der Klimawandel zu bewältigen sei, und zweitens dass die Folgen des Klimawandels in Dollar oder Euros zu berechnen seien. Das stellt einen vor Fragen wie: Wie teuer ist der Tod eines/r Südafrikaners/In (nach Meinung des IPCCs ein Dollar), wie teuer der einer/s AmerikanerIn (1 Mio Dollar, nach Meinung des IPCCS), wie viel Schaden entsteht durch das Aussterben der Wale, wie teuer ist die Umsiedlung der Menschen die ihre Lebensgrundlagen durch den Klimawandel verlieren. Das Herrschaftsverhältniss, dass diese Ganzen Folgen entstehen für die Profite weniger und ohne Absprachen getroffen zu haben, wird dadurch als normal hingenommen, und es wird nur noch in Schaden für die eigene Volkswirtschaft gedacht.

Das Problem geht aber weiter, denn wenn mensch sich einlässt auf die Debatte, was teurer sei – der Klimawandel oder Gegenmaßnahmen – dann bestimmen die Ökonomen, auf welchem Schlachtfeld gekämpft wird, und zwar auf dem, wo sie die besseren Argumente haben, wo sie wissenschaftliche Studien präsentieren können und so weiter. Dass alles andere der Ökonomie untergestellt sein muss steht dabei aber für beide Seiten von Anfang an fest.

Kaum hat mensch sich auf diese Debatte eingelassen, kommt auch schon ein anderer Ökonom daher, William Nordhaus, und widerspricht Sterns Resultaten und behauptet, innerhalb einer Kosten-Nutzen-Analyse wäre es optimal die Treibhausgaße nicht zu senken, sondern lediglich deren Wachstum zu bremsen.

Dieser Berechnung wurden einfach andere Grundannahmen und Zahlen zugrunde gelegt, und vor allem unterschiedliche Diskontraten. In der Ökonomie werden zukünftige Werte üblich diskontiert, das heißt abgewertet, und zwar zu einem bestimmten Prozentsatz pro Jahr. Genauso wird mit Folgekosten umgegangen.Nordhaus rechnet mit einer üblichen Diskontrate von 4 Prozent. Dass heißt das Schäden in 15 Jahren nur noch mit etwa der Hälfte berechnet werden. Stern hatte einen deutlich niedrigeren Diskontsatz verwendet.

Ökonomische Berechnungen haben also ihre ganz eigene Logik, auf die mensch sich nicht einlassen kann ohne den ganzen Rattenschwanz von Kapitalismus und damit verknüpften Herrschaftsverhältnissen zu akzeptieren.