Archive for Dezember, 2010

Weihnachten, das Fest der Müllproduktion – bloß wohin mit dem Müll?

Samstag, Dezember 25th, 2010

Es ist Weihnachten. Sprich: Die Zeit im Jahr in der vermutlich am meisten Müll überhaupt verursacht wird. Nicht nur, dass die Geschenke doppelt und dreifach in buntes Geschenkpapier eingepackt werden. Bereits vorher sind sie ebenfalls doppelt und dreifach verpackt, wie das eben normal ist bei den Waren die in den Konsumrennbahnen dieses Landes erhältlich sind. Nur, genau genommen ist die Ware, die im Endeffekt Gegenstand des Geschenkes sein soll im Prinzip auch nicht mehr als Müll. Genausowenig wie eine Ware im Kapitalismus für den Gebrauchswert produziert wird, ist dieser Sinn und Zweck bei der ganzen Schenkerei. Im besten Falle ist er ein nützlicher Nebeneffekt davon.

So, wie im Kapitalismus jede Produktion mit dem alleinigen Zweck der Wertvermehrung stattfindet, und es dabei völlig egal ist ob Waffen produziert werden, die Menschen töten, oder Nahrungsmittel die Menschen am Leben halten, oder eben Legosteine die Menschen sich zu Weihnachten schenken, und jede solidarische Produktion oder Schenkwirtschaft zerstört wird, so ist die weihnachtliche Schenkerei quasi eine homöopathische Dosis an nicht profitabler „Nächstenliebe“ genannter Solidarität. Auf eben diese Zeit, in der Menschen im Kreis der Vertrauten das Walten lassen was sie unter „Menschlichkeit“ verstehen, sollen Bedürfnisse nach Solidarität projeziert werden, um den Rest des Jahres zu funktionieren in der entmenschlichten Logik der Wertvermehrung.

Selbstverständlich und absurderweiße wird eben diese Homöopathische Dosis an „Nächstenliebe“ oder wie mensch den Quatsch auch nennen mag umgesetzt auf eine sehr profitable Weiße für eben die kapitalistische Wertvermehrung. So kommt es dass das gesamte mediale Deutschland sich in den Armen liegt und jubelt ob der guten Konjunktur, und tollen Zahlen des Einzelhandles und dem endgültigen Ende der Krise und so weiter.

Nur bei der ganzen Müllproduktion, die natürlich auch außerhalb von Weihnachten ein Produkt des kapitalistischen Normalzustandes ist und der Akzeptanz dessen bei den Menschen und der Gewöhnung und des Mitmachens beim Müllproduzieren, stellt sich irgendwann die Frage wohin mit dem ganzen Müll? Aber keine Sorge: Auch hier lässt sich Aus Müll  Geld machen: Der Müll wird nämlich zur Energieversorgung verbrannt, was viel profitabler ist als das Recycling. Oder er wird auf Deponien endgelagert. So richtig beliebt unter den AnwohnerInnen sind diese verschiedenen Müllanlagen meist nicht. Aber für das Allgemeinwohl müssen solche Strapazen wohl auf sich genommen werden, wie das bei zentralistischen Entscheidungsstrukturen und bei einer Unterordung der Menschen unter Profitinteressen nunmal ist. Wer das nicht einsehen mag leistet aber oftmals Widerstand dagegen. Im deutschsprachigen Raum werden dann BürgerInitiativen gegründet, Unterschriften gesammelt, Volksbegehren iniziiert und im besten Falle mal eine Demo gemacht. So richtig spannend geht es da hierzulande selten zu.

Anders ist das in anderen Ländern: Ganz aktuell finden in Griechenland und in Italien heftige Auseinandersetzungen um geplante Mülldeponien statt. In Griechenland plante die Regierung eine riesige Müllkippe für den gesamten Großraum Athen zu errichten in Keratea. Die Anwohner_innen fanden das keine gute Idee, aber die Regierung hielt fest an den Plänen. Eine militanter Widerstand einer gesamten Region war die Folge. Tag und Nacht besetzte Blockaden in der gesamten Region. Ältere Frauen, die sich beim Bürgermeister beschweren, dass die Mollies ausgehen und so weiter. Obwohl die Pläne anscheinend fallen gelassen wurden, da die Müllkippe wohl als undurchsetzbar eingestuft wurde, hält die Krwallpolizei die Gegend weiterhin besetzt. Anscheinend soll das die Rache für den Widerstand sein. Mehr Infos.

Innenminister beschließt dass Castoblockierer_innen zur Rechenschaft gezogen werden

Mittwoch, Dezember 22nd, 2010

Folgende Realsatire habe ich soeben auf der Seite des Innenministeriums Niedersachsens gefunden:

Der Innenminister Mecklenburg-Vorpommerns, Lorenz Caffier, erstattet gegen zwei Aktivisten der Umweltorganisation Robin Wood Strafzeige.

„Die beiden Personen, die sich aus Protest gegen den KNK Castor Transport gestern kurz vor dem ZLN Rubenow auf den Gleisen festketteten, haben in hohem Maße unverantwortlich gehandelt. Sie sind für die erhebliche Verspätung dieses Transportes und die damit verbundenen erhöhten Einsatzzeiten der Beamten sowie zusätzlich entstandener Kosten verantwortlich und werden dafür zur Rechenschaft gezogen“ so der Innenminister.

Polizisten der Bundespolizei waren über mehrere Stunden damit beschäftigt, die Personen unverletzt aus dem Gleisbett zu entfernen und die Sicherheit des Transportes aufrechtzuerhalten.

Die durch die angeblichen Aktivisten verursachte erhebliche Zeitverzögerung des Transportes führte auch zu einer erheblichen Beeinträchtigung der Bevölkerung rund um Lubmin.

„Bahnübergänge und Straßen mussten deutlich länger gesperrt bleiben als in den Einsatzkonzepten der Polizei vorgesehen“ stellte der Innenminister fest.

Dass nun ein Innenminister definieren will was verantwortliches Handeln ist und was nicht ist schon recht lustig, vor allem ist es einigermaßen vorhersehbar zu welchem Ergebnis er kommen wird, wenn es seine Aufgabe ist ungewollten Atommüll durchprügeln zu lassen. Da kann es schonmla vorkommen, dass er es für unverantwortlicher hält wenn Menschen ein paar Stunden Verspätung haben als wenn sie auf Jahrtausende verstrahlt werden. Was ich dann aber doch irritierend fand, ist dass ein Innenminister einfach mal so Judikative spielt und das Ergebnis einer juriistischen Auseinandersetzung vorwegnimmt: „Sie sind für die erhebliche Verspätung dieses Transportes und die damit verbundenen erhöhten Einsatzzeiten der Beamten sowie zusätzlich entstandener Kosten verantwortlich und werden dafür zur Rechenschaft gezogen“ so der Innenminister.“ War da nicht mal was mit Gewaltenteilung? Na ja, mir soll’s egal sein: Da ich repressive Systeme generell ablehne und eine Gewaltenteilung die beste Legitimation dafür ist (für repressive Systeme), aber die gegenseitige Kontrolle nur Suggestion sein kann, was die Praxis ein ums andere Mal zeigt (wer kontrolliert den die Kontrolleur_innen?) ist es vielleicht gar nicht so schlecht, wenn ein Innenminister es offensichtlich macht: Das ist alles nur Schein! In Wahrheit geht es darum unliebsame Menschen die sich der herrschenden (Atom-) Politik in den Weg stellen, dafür hart zu bestrafen, während diejenigen die eine Politik von oben durchsetzten (Polizei,…), eine Quasi-Straffreiheit genießen.

Erstes Bild der Betonblockblockade

Donnerstag, Dezember 16th, 2010

Die Betonblockade zwischen Greifswald und  Lubmin besteht noch. Die Polizei hat erst vor kurzem mit der Räumung begonnen.  Das könnte eine lange Nacht werden. Auch wenn es  nicht so aussieht: Irgendwo unter dem Schnee ist auch die Schiene.

Lubmin Castor blockiert mit Betonblock Blockade

Donnerstag, Dezember 16th, 2010

Soeben wurde eine Betonblockblockade auf den Schienen bei Friedrichshagen, gegen den aktuellen Castortransport nach Lubmin errichtet. 2 Aktivist_innen von Robin Wood ketteten sich an eine bereits vorhandene Betonkonstruktion unter den Gleißen. Diese Technik ist sehr effizient und nicht zu vergleichen mit dem Festketten mit einfachen Metallrohren. Eine Betonblockblockade kann viele Stunden bis zu einem kompletten Tag dauern.

Trotz eisiger Kälte legten die beiden Aktivist_innen sich auf die Schine um sich anzuketten. Sie sind aber nicht die einzigen, die die winterlichen Strapazen auf sich nehmen – bewusst wurde der Castor natürlich auf diese Jahreszeit gelegt – überall an der Strecke gibt es kleinere oder größere Gruppen die Mahnwachen abhalten, oder sich auch auf die Strecke setzten um diese zu blockieren. Vor allem im Norden an der Ostsee, nahe des Ankunftsortes des Castors, finden sehr massive Streckenblockaden statt. Dort existiert ebenfalls ein Camp der Castorgegner_innen. Weitere Robin Wood Aktivist_innen versuchten eine Kletterblockade (zwei von drei Aktivist_innen wurden von der Polizei abgehalten) und Greenpeace Aktivist_innen seilten sich, wie auch beim Wendland-Castor von einer Brücke ab.

Die Aktivist_innen von Robin Wood fordern den Stop von sinnlosen, gefährlichen Transporten, wie diesen, und ganz allgemein einen sofortigen Ausstieg aus der Atomkraft.

Effizientssteigerung

Donnerstag, Dezember 9th, 2010

Alle Klimaszenarien des IPCCs gehen von einer Reduzierung des Energieverbrauchs durch eine Steigerung der Effizienz aus. Das heißt z.B. ein Auto verbraucht nur noch halb so viel Benzin pro Kilometer wie zuvor.

Nicht nur in den Klimaszenarien der WissenschaftlerInnen spielt die Effizienzsteigerung eine entscheidende Rolle sondern auch im öffentlichen Diskurs über die Lösungen gegen den Klimawandel. Al Gore fordert die Menschen auf, sich neue, verbrauchsärmere Autos zu kaufen, die Energiesparlampe wurde als Lösung gegen den Klimawandel gehyped und neue Kohlekraftwerke werden als Klimaschützer betitelt, weil sie eine größere Effizienz haben als ihre älteren Kollegen.

Es ist richtig dass die moderne Technik im laufe der Zeit effizienter wird, das heißt das mit weniger Ressourcen mehr der gewünschten Leistung erreicht wird, doch das war schon immer so. Und bisher haben Effizienzsteigerungen nie zu einem geringerem Gesamtenergieverbrauch geführt, sondern immer zu einem größerem Verbrauch. Das liegt daran dass viele Techniken erst durch einen geringeren Energieverbrauch für die Masse erschwinglich wurden. Die Glühbirne schaffte es zum Beispiel erst zum Massengut, als sie vor einhundert Jahren eine Effizienzsteigerung durchmachte und danach nur noch ein Viertel der Energie brauchte, wie zuvor. Dadurch wurde sie erst großflächig benutzt, und der Gesamtelektritziätsverbrauch stieg steil an. (mehr …)

Protest gegen CCS / CO2 Endlager in S.H.

Mittwoch, Dezember 8th, 2010
Der Autor dieses Blogs distanziert sich von den positiven Bezügen dieses Artikels auf grünen Kapitalismus, grüne Rendite und Windparks in Bürgerhand.  Die kapitalistische Logik ist nichts innerhalb derer es sich lohnen würde nach einem grünerem, besseren Morgen zu suchen. Allein im Bruch mit dieser und anderen Logiken liegt ein Potential, von dem aus sich ein grüneres, besseres Morgen vorstellen lässt. Dennoch wird der Artikel hier veröffentlicht, da es Zeit wird den Widerstand gegen CO2 Endlager voranzubringen.
Von de.indymedia.org und  kein-co2-endlager.de.
Die Existenzfrage Energie und der Protest gegen CO2 Endlager in Schleswig-Holstein – Der Widerstand der Bevölkerung gegen CO2- Endlager in Schleswig-Holstein

Der Tag, an dem Brandbeschleuniger an den Widerstand gelegt wurde, war Mittwoch der 3. Juni 2009. An diesem Tag registrierten die Menschen in der Region vielfach zum ersten Mal bewusst, dass der Energiekonzern RWE Dea ein CO2- Endlager unter ihren Füßen anlegen will, um seine Kohlekraftwerke am Leben zu erhalten und/oder um neue bauen zu dürfen.
Die öffentliche Anhörung des Umweltausschusses im Kreishaus Husum machte am Mittag den Auftakt. Und am Abend folgten zwei Informationsveranstaltungen. Eine mit Prof. Dr. Olav Hohmeyer, zu der die gerade frisch gegründete Bürgerinitiative ( BI ) gegen ein CO2- Endlager eingeladen hatte und eine der BUND-Gruppe Südtondern. Dort gelangten die massenhaft erschienenen Anwohner zu der Erkenntnis, dass nicht nur der Klimawandel, sondern auch die Kohlelobby eine Bedrohung ihrer Heimat darstellt. Die Welle der Entrüstung begann sich daraufhin schlagartig zu entfalten. (mehr …)

Film über Blockadeaktionen gegen Braunkohle in Schottland

Donnerstag, Dezember 2nd, 2010

Hier gibt es einen netten Film über Blockadeaktionen gegen Braunkohleabbau in South Lanarkshire, Schottland.