Da ich heute schon zum zweiten Mal auf einen Artikel in der SZ gestossen bin mit dem Label „grüne Revolution“, gehe ich davon aus, dass das dort eine  wöchentliche Rubrik ist. Über letztwöchigen Artikel dieser Rubrik habe ich bereits einen Artikel geschrieben der eins weiter unten zu finden ist. Diese Woche ist das große Thema: „Hängematte fürs Gewissen“ also grüngewaschener Tourismus. Auch hier wird das Problem zuerst halbwegs richtig analysiert: Es finden immer mehr Flugreisen statt, auch weil diese so billig sind, dass Menschen für immer kürzere Zeit rund um die Welt fliegen für ein paar Tage Urlaub. Dass der Tourismus aber auch vor allem vor Ort riesige ökologische und soziale Zerstörung anrichtet wird außen vor gelassen. Mit Kalkül: Den das Ziel dieses Artikels von Michael Kuntz ist es, wie wohl allgemein dieser Rubrik, leichte systemkonforme Lösungen für die dringenden Ökoprobleme dieser Zeit anzubieten. Dass dafür nur Scheinanalysen gebracht werden können ist klar. So darf also keinenfalls die generelle Logik des Tourismus als das Problem erkannt werden, also die Flucht vor der Lohnarbeit und der Langweile und Sinnlosigkeit zu Hause, für wenige Wochen im Jahr, ohne jedes Interesse für alles was sich am Urlaubsort, dem Weg dorthin und zurück abspielt. Denn würde diese Analyse gemacht, dann müsste weiter analysiert werden, was denn die Ursachen für diese fluchtähnliche Art des Urlaubens ist, und wäre schnell bei den abstrakten Lebensweißen, von Lohnverhältnissen und Konsumtion angelangt, und dass diese vielleicht geändert werden müssten, damit Menschen nicht in andere Länder reißen um zu fliehen und zu entspannen, weil sie komplett verbraucht durch die Lohnarbeit sind, sondern weil sie Lust darauf haben sich woanders Inspirationen zu holen, andere Kluturen kennen zu lernen, und mit den Menschen dort vielleicht auf solidarische Art und Weiße die verschiedensten Kooperationen zu küpfen.

Um soweit nicht denken zu müssen, führt die SZ ein dazugehöriges Interview.  Auf die, in einem saublöden Dualismus verhaftete Frage „Heißt mehr Umweltschutz künftig mehr Verzicht? Müssen die Deutschen ihre Reisen einschränken?“antwortet Harald Pechlaner mindestens genauso dumm:

Um von einer angestammten Welt in eine Gegenwelt zu kommen, brauchen wir Mobilität. Die Menschen müssen nicht zuhause bleiben. Sie sollten in Gegenden fahren, die authentisch und damit touristisch interessant sind. Orte und Betriebe sollten klar betonen, was ihre Einzigartigkeit ausmacht. Nachhaltigkeit als Bestandteil eines solchen Konzeptes macht ein Zielgebiet wettbewerbsfähiger.

Also der Aufruf alles beim alles zu lassen und sich mehr Mühe beim Greenwashing zu geben. Das ist dann auch die Quintessenz des gesamten Artikels. Zwar wird gesagt mensch müsse zwischen ernsthaften und gefakten „grünen Reisen“ unterscheiden. Die hinter dem „grünen Tourismus“ stehende Logik wird aber überhaupt nicht analysiert.

Hauptsächlich geht es beim „grünen Tourismus“ darum pro Flugmeile eine gewisse Summe an Projekte zu überweisen, die das ausgestoßene CO“ kompensieren, durch andere Projekte, meist Waldpflanzungen. Diese Logik ist aber total absurd, und es werden Dinge verglichen die nicht verglichen werden können. Denn das CO2 welches beim Fliegen ausgestoßen wird, stammt aus fossilen Energien, die dann für immer (oder zumindest auf absehbare Zeit) in der Atmosphäre bleiben und ansonsten unter der Erde sicher gebunden wären. Wenn ein Wald gepflanzt wird, dann wird das in der Atmosphäre vorhandene CO2 temporär gebunden. Da aber sowieso viel zu viel CO2 in der Atmosphäre ist, müsste es darum gehen möglichst viel davon durch Wiederaufforstungen zu binden, um die Auswirkungen des Klimachaos zu mildern. Niemals aber darf das Pflanzen von Bäumen Legitimation dafür sein noch mehr CO2 in die Atmosphäre zu blasen. In der Praxis sind solche Projekte aber oft noch absurder als in der Theorie. So kommt es vor, dass Regenwälder gebrandrodet werden, und die Flächen dann von Konzernen genutzt werden, um als Kompensatoren Wälder darauf anzupflanzen. Dafür dürfen zum Beispiel auch genmanipulierte Eukalyptusplantagen genutzt werden. Auf der einen Seite wird also mit dem Geld das die Einen ausgeben für das gute Gewissen, neue ökologische Probleme auf vielfältige Weisen geschaffen und das Klima noch nachhaltiger zerstört. Auf der anderen Seite vervielfachen die Konzerne ihre Einahmequellen durch die Regenwaldzerstörung enorm.

Ansonsten geht es beim „Ökotourismus“ noch um übliche Greenwashingkonzepte, wie, dass die Hotels als Passivenergiehäuser gebaut sind, oder Solarpannels auf dem Dach haben. Besonders absurd ist die Logik, wenn mit „Öko“ geworben wird, weil die Gegend in die mensch reist naturbelassen ist. Denn selbstverständlich wird mit dem eingeführten Tourismus viel von dieser „natutrbelassenheit“ zerstört um diese dann genießbar zu machen. Dass genau dafür an vielen Orte die angestammten (oft indigenen) Bevölkerungen gewaltsam, oder mit diversen Tricks vertrieben werden steht auf einem anderen Blatt, zeigt aber wie pervers die ganze Logik ist.