Archive for Juni, 2011

WAA – Werkstatt für Alternativen und Aktionen – dauerhaftes Klimacamp

Dienstag, Juni 28th, 2011

Werkstatt für Aktionen und Alternativen (WAA) – Aufruf für ein dauerhaftes Klimacamp

Inspiriert durch die Klimacamps die in Großbrittanien ihren Ursprung hatten und seitdem an vielen Orten auf der ganzen Welt erfolgreich darin waren eine radikale Kritik an den strukturellen Ursachen der Klimazerstörung zu vermitteln, wollen wir noch einen Schritt weitergehen: Wir wollen ein dauerhaftes Klimadorf als Aktions- Bildungs- und Organisierungsort aufbauen – und als Ort für das Erlernen eines klimaneutralen Lebens, das wir nicht mit Verzicht assoziieren wollen, sondern mit Kreativität.
Als Ort dafür haben wir die Region ausgewählt, die am meisten CO2 in ganz Europa emittiert, das rheinische Braunkohlerevier.

Teil der Lösung oder Teil des Problems?  

Es ist eine seltsame Sache mit der Klimaproblematik: Sie ist allseits bekannt, allgemeine Aufklärung zu betreiben ist nicht mehr nötig. Jede_r ist scheinbar auf der Seite jener die das Problem bekämpfen wollen. Und dennoch ist das Einzige was in der realen Welt zu beobachten ist eine rasante Verschärfung der Klimakatastrophe. Dadurch drängt sich der Verdacht auf, dass die Lösung nicht darin liegen kann, dass die so degradierten Konsument_innen die „richtigeren“ Waren in ihren Einkaufskorb packen, die Manager_innen der Großkonzerne verantwortungsbewusstere Entscheidungen treffen und die Wissenschaftlerinnen die richtigen „Erfindungen“ machen. Nein. Wir haben die Vermutung, dass das Koordinatensystem, innerhalb dessen alles grün sein soll faul ist. Um ein Beispiel aus dem Blauen zu pflücken (bevor es dann grün gemacht wird): Erdöl wird gefördert um industrielle Landwirtschaft zu betreiben und damit essbare Waren herzustellen. Essbare Waren werden hergestellt um sie um die halbe Welt zu verschiffen. Um die halbe Welt werden sie verschifft um am Zielort verbrannt zu werden. Verbrannt werden sie um die Preise für Nahrungsmittel stabil zu halten. Verhungern tun währenddessen täglich 24 000 Menschen, weil sie nichts zu Essen haben. Nichts zu Essen haben sie, weil der Zweck Nahrungsmittel herzustellen, innerhalb der herrschenden Verhältnisse nicht darin liegt Menschen zu sättigen, sonden die Konten von Konzernen.
Ein Koordinatensystem, in dem viel Energie und Arbeitsaufwand betrieben wird, damit Menschen verhungern, ist nicht dasjenige, innerhalb dessen das Klima zu retten ist, und auch nicht das, innerhalb dessen Menschen sich sinnvoll organisieren können. Jeder Versuch dessen führt zwangsläufig auf Irrwege. Die Frage, ob mensch Teil der Lösung oder Teil des Problems sein will, ist also nicht mit dem Verweis auf den Grünton der Verpackungen der eingekauften Waren zu beantworten, sondern vielmehr durch die Logik innerhalb derer mensch die Lösungen gegen den Klimawandel denkt, und die gefundenen Handlungskonsequenzen, die mensch daraus zieht.
Dieser Aufruf richtet sich an alle Menschen, die die Lösung nicht alleine in kapitalistischen, herrschaftsförmigen Koordinaten denken können und auch nicht (mehr) denken wollen.

Klimacamps

Einen wichtigen Impuls für die radikale Klimabewegung schafften die Klimacamps, die ihren Ausgangsort in Großbrittanien hatten. Aufbauend auf den vier Säulen – Direkte Aktionen gegen Klimazerstörung, radikal klimaneutrales Leben auf den Camps, Weiterbildung über die Klimaproblematik und richtige und falsche Lösungen, und Vernetzung – treffen sie genau den richtigen Vierklang der Selbstermächtigung. Durch den Rahmen der Camps, der alle 4 Elemente verbindet, wird deren Wirkung multipliziert. Denn klimaneutrale Praktiken sind zwar auch nett, wenn sie im eigenen Hintergarten ausprobiert werden, ihre einzige Relevanz sind dann aber die konkret gesparten Emmissionen. Im Kontext eines Klimacamps sind sie aber mehr: Nämlich eine Anklage an die herrschende kapitalistische Produktionsgesellschaft, durch das konkrete Aufzeigen möglicher, besserer Alternativen.
Direkte Aktionen sind für sich genommen zwar immer nervende Nadelstiche für die Akteur_innen des Untergangskommandos. Mit einem Klimacamp als Hintergrundskulisse für die Angriffe auf klimazerstörende Industrien, können diese auch gesamtgesellschaftlich eine ganz andere diskursive Legitimität erfahren. Weiterbildung ist für sich genommen auch eine jederzeit erstrebenswerte Sache, wo sich aus ihr aber keine konkreten Handlungsoptionen ergeben, bleibt sie eine akademische Irrelevanz. Ein nettes Analysegespräch auf der Zuschauer_innebank.
Die 4 Säulen zusammengeführt können aber genau das Notwendige erreichen: Zu gleichen Teilen das bestehende Koordinatensystem samt seiner konkreten Auswirkungen anzugreifen und in den entstehenden Lücken zarte Pflänzchen eines selbstorganisierten, klimaneutralen Lebens zu pflanzen, auf dass sie zu Wäldern der Ressilienz werden. Und bei all dem jederzeit genug theoretische Reflektion über den einzuschlagenden Weg haben, nach dem Motto: Fragend schreiten wir voran. (mehr …)

(Wendland) Mastanlagen-Baustelle besetzt

Montag, Juni 27th, 2011

Im Wendland wurde gestern früh der Bauplatz einer Hähnchenmastanlage besetzt. Zur Zeit gibt es großen Ärger mit dem Bauern, der schon versuchte eigenhändig den Tripod mit seinem Trecker zu räumen.  Die Besetzung benötigt also dringend Unterstützung. Hier eine  Veröffentlichung der Besetzer_innen:

(Wendland) Mastanlagen-Baustelle in Teplingen besetzt
Anlage soll Zulieferbetrieb für Schlachthof in Wietze werden.

Das Gelände in Teplingen, auf dem eine Hühnermastanlage errichtet werden soll, wurde in der Nacht zum Sonntag von 20 Aktivist_innen besetzt. Ein Tripod, eine Hütte und diverse weitere Blockadevorrichtungen wurden aufgebaut, die Besetzer_innen bereiten sich auf einen langwierigen Aufenthalt vor und freuen sich über Besuch und jede andere Form von Unterstützung. In Teplingen soll jährlich in 7,5 Mastdurchläufen 300.000 Individuen mästen, sodass auf einem Quadratmeter 22 Hühner leben müssen. 4% der Tiere erreichen durchschnittlich das “Schlachtgewicht” nicht, so würden pro Jahr 12.000 Hühner durch die grausammen Haltungsbedingungen schon in der Anlage sterben.

Die Mastanlage, deren Baugelände besetzt wurde, soll Zulieferbetrieb für die größte Hühnerschlachtfabrik Europas in Wietze bei Celle werden. Dort ist die Tötung 2, 5 Millionen Tieren wöchentlich geplant, hierfür benötigt der Betreiber Rothkötter ca. 420 Mastanlagen mit jeweils 40.000 Hühnern in der Umgebung. Im Sommer 2010 wurde das baugelände in Wietze während knapp 3 Monaten besetzt gehalten. Die Schlachtfabrik befindet sich zur Zeit in Bau und kann nur dann vollständig in Betrieb genommen werden, wenn es genügend Zulieferbetriebe gibt.

Das ist zur Zeit noch nicht der Fall – geplant wird von der Betreiberfirma Rothkötter, den Betrieb in andere Schlachtereien zu verringern, damit sich die Inbetriebnahme nicht verspätet. Der Mega-Schlachthof ist verhinderbar!

Die Besetzer_innen kritisieren die Baupläne und sehen darin legalisierte Tierquälerei. “Massentierhaltung ist eine soziale, ökologische und ethische Katastrophe. Klimawandel, Gensojaanabau, Boden-, Luft-, Gewässerverschmutzung: es gibt kein ökologisches Problem, unter dessen Hauptursachen sich nicht auch die industrielle Tierhaltung befindet.”, so eine der Aktivist_innen: “Wir sind hier, um unser entschlossenes Nein gegen die industrielle Tierhaltung auszusprechen – und gegen die Ausbeutung von Menschen, Tieren und der Umwelt im kapitalistischen Wirtschaftssystem”.
Die Aktivist_innen kritisieren weiter, dass diese politischen Entscheidungen getroffen werden, ohne die Betroffenen einzubeziehen. Das Ziel der Betreiber_innen sei die maximale Ausbeutung für maximalen Profit.

Die Besetzung richtet sich gegen diese und jede andere Form der (Massen-)Tierhaltung.
Kommt vorbei, bringt Energie, Kreativität, Wut und Fantasie!
Jede Form von Unterstützung ist wichtig.

Keine Schlachtfabriken, nirgends!

Was ihr mitbringen könnt:

Nahrungsmittel (vegan/freegan)
Aktionsmaterialien (u.a. Transpistoff, Farben, …)
Bau- und Brennholz
Werkzeuge
Decken, Schlafsäcke, Matzratzen, Zelte