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Bericht des Klimacamps in der Lausitz

Dienstag, August 16th, 2011

Das Klima- und Energiecamp in der Lausitz ist vorbei, hier ein kleiner Erfahrungsbericht und eine Einordnung:

Mit dem Jänschwalder Kohlekraftwerk (dasjenige mit den siebtgrößten Emmissionen weltweit) als Skyline und mehreren Tagebauen in der direkten Umgebung des Camps wurde mensch jederzeit daran erinnert warum mensch dort ist: Um die klimaschädlichste aller Energieerzeugungsvarianten, die gerade weltweit im Auftrieb ist zu bekämpfen. Über die Woche verteilt besuchten das Camp zwischen 300 und 400 Aktivist_innen, in der Mitte der Woche war mit über 200 Camper_innen der Höhepunkt erreicht. Neben einigen kleineren Kraftwerkszufahrtsblockaden oder Rangeleien am Rande des Tagebaus (wo Vattenfallsecuritys extrem brutal gegen Aktivist_innen vorgingen und diese wiederrechtlich mit Kabelbindern fixierten) waren die Bürobesetzungen der brandenburgischen Regierungsparteien  SPD und DIE LINKE die zentralen Aktionen des Camps. Die Aktivist_innen wurden vergleichsweiße sehr freundlich empfangen und konnten ihre Forderungen den Parteien überreichen. Auch wenn am Ende des Camps die erfreuliche Nachricht durchsickerte, dass Brandenburg keinen Alleingang in Sachen CCS Technologie machen will (Abscheidung von CO2, wo es eine Ausstiegsklausel für die Länder gibt, von der die meisten gebrauch machen und nun eben auch Brandenburg), und das durchaus auch in den Zusammenhang mit den Aktivitäten des Klimacamps gestellt werden kann, bleibt die Frage, ob die Klimabewegung sich darauf einlassen sollte sich als Bittstellerin an die parlamentarischen Entschidungsträger_innen zu sehen, oder ob mehr damit gewonnen wäre, den kohärenten Zusammenhang zwischen Herrschaftssystemen und Umweltzerstörung zu analysieren und für eine komplette Selbstermächtigung einzutreten.

Zum Abschluss des Camps fand am Samstag eine Demonstration gegen Kohle und CCS in Cottbus statt, an der mehrere Hundert Menschen teilnahmen. Auf dem Camp selber fanden unterschiedlichste Workshops, Vorträge und Podiumsdiskussionen statt. Das ging von Solarofen bauen, über Auseinandersetzungen mit Technologien wie CCS oder Fracking bis zu politischen Workshops über „Ökosozialismus“ oder auch „Ökologie und Herrschaftskritik“. Bei einer Podiumsdiskussion zwischen einem Betriebsrat von Vattenfall und einem Campteilnehmer wurden zwar erst die üblichen Dummheiten ausgetauscht wie „Was schafft mehr Arbeitsplätze: Kohlekraft oder Erneuerbare“ später wurde der Betriebsrat, der eins zu eins die Positionen der Vattenfall-Führung vertrat von aufgebrachten Anwohner_innen auseinandergenommen.

Auf dem Camp wurde zwar keine Massenbewegung begründet, wenn mensch aber bedenkt, dass es nur eines von zwei Klimacamps dieses Jahr ist, und überwiegend regional mobilisiert wurde, ist es schon ganz beachtlich was dort auf die Beine gesetllt wurde. So ist das Camp also als ein Schritt in die Richtung einer schlagkräftigen Anti-Kohle-Bewegung zu sehen, der manchmal etwas mehr Radikalität zu wünschen wäre. Die nächste Etappe wird die Bewegung beim nächsten Klimacamp in einigen Tagen im rheinischen Braunkohlerevier nehmen, und anschließend auf dem dauerhaften Klimacamp eben dort. Beiteiligt euch!