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Kohlezugblockade im rheinischen Braunkohlerevier und Klimacamp

Freitag, September 9th, 2011

Das sind Bilder die mensch normal aus dem Wendland kennt: Viele bunte Menschen, die auf Strohsäcken Schienen blockieren, und diese für viele Stunden umfunktionieren:  Samba-Musik, Volxküche, Workshops, Frisbie- und Kartenspiel. Nur zum Vergnügen sind sie aber nicht auf der Schiene. Diesesmal geht es aber nicht um die strahlende Fracht der Atommülltransporte, sondern um die extrem sensible Infrastruktur des rheinischen Braunkohlereviers. Im 5 Minuten Takt fahren hier normalerweise die Kohlezüge um die Kohlekraftwerke mit Braunkohle aus den Tagebauen zu versorgen. Das Baunkohlerevier westlich von  Köln ist kaum jemandem bekannt – obwohl es Europas Klimakiller Nummer 1 ist. Erfreulich also, dass eine 11 stündige Blockade der Kohlebahn gelang – so wurde Öffentlichkeit auf die Kohleinfrastruktur gelenkt und gezeigt dass sie angreifbar ist. Weniger erfreulich aber ist, dass nur etwa 70 Menschen an der Aktion teilnahmen, im Vergleich zum Wendland, wo zehntausende Atomtransporte blockieren, eine recht überschaubare Menge. Warum die Prioritätensetzung vieler Aktiven bloß auf die Castortransporte ausgerichtet ist, ist logisch nicht begründbar. Wo der Versuch von Wirtschaft und Politik gerade ist den Kohle- und den Atomwiderstand gegeneinander auszuspielen, wäre es dringend notwendig, dass auf Bewegungsebene praktische Solidarität ausgeübt wird, um diese Strategie ins Leere laufen zu lassen. Und dass Europas größter Klimakiller in Zeiten des bevorstehenden Klimachaos eine untergeordnete Wichtigkeit haben soll leuchtet mir nicht ein.

Die Politik der Bewegungseliten spielt in diese Dynamik wohl auch mit hinein. So verhinderte  Dirk Seifert, Energiereferent von Robin Wood, dass in dem Aufruf zu diesjährigen Castorblockaden, erwähnt wird, dass der Ausbau der Kohlekraft nicht die Lösung sein könne. Aus Angst die Gewerkschaften, zusammen mit der SPD das Herz der Kohlelobby in Deutschland, könnten den Aufruf ansonsten nicht unterschreiben.

Was nicht ist kann aber noch werden: Die Organisator_innen der  „Grube gräbt“ Kampagne (von „Wer anderen eine Grube gräbt“) und vom Klimacamp wollen eine kontinuierliche Kampagne gegen die Braunkohle in der Region auf die Beine stellen. Bilder von Blockaden der Kohlebahn werden in Zukunft vielleicht genauso üblich sein wie jene von Anti-Atom-Blockaden. Vielleicht auch mit ähnlichen Teilnehmer_innenzahlen, wenn die Relevanz einmal erkannt wurde.

Die diesjährige Blockade fand während des 10tägigen Klimacamps in Manheim bei Kerpen statt. Dort trafen sich rund 200 Klimaaktivist_innen und teilten Wissen über die Klimaproblematik und Widerstandsmöglichkeiten, vernetzten sich und führten eben Aktionen durch. Dass das keine einmalige Aktion war, sondern dass das Thema in der Region nun dauerhaft auf der Tagesordnung sein wird, zeigt auch, dass direkt im Anschluss an das Klimacamp in Manheim, die Werkstatt für Aktionen und Alternativen eröffnete, eine Art dauerhaftes Klimacamp. Organisierungsprozesse, die auf dem Klimacamp im großen Stile stattfanden, sollen hier vertieft werden. Auserdem soll ein dauerhaftes Bildungsprogramm in Form von Seminaren aufgestellt werden. Die WAA ist jederzeit offen für alle Interessierten und alle, die sich hier organisieren wollen. Es gibt also viele  Möglichkeiten sich einzubringen. It’s your turn!