Dass der brasilianische Präsident und Faschist Bolsonaro die Indigenen des Landes verachtet ist kein Geheimnis. Schon in den 90er Jahren bedauerte er die „Schande, dass die brasilianische Kavallerie nicht so effektiv war wie die [US-]Amerikaner, die ihre Indianer ausgerottet haben.“ Diese verbalen Angriffe gegen Indigene zielen stets auf die Existenz deren Reservate ab: „Die Indianer sprechen unsere Sprache nicht, haben kein Geld, haben keine Kultur. Sie sind primitive Völker. Wie haben sie es geschafft 13 % des nationalen Territoriums zugesprochen zu bekommen?“ sagt Bolsonaro und beweist damit das der Rechtspopulismus im Mindset der Kolonianist*innen hängen geblieben ist. Bolsonaro ist ein Mann des Großkapitals, was in Brasilien auch stets heißt: Ein Mann der Agrarbarone. Zwar gibt sich Bolsonaro gerne als Vertreter der einfachen Leute, vertritt aber – wie das bei Rechtspopulisten häufig der Fall ist – stets die Interessen des Großkapitals. „Von der Landaneignung profitieren vor allem Unternehmer und Großbauern und nur ein ganz geringer Teil der Bevölkerung“, meint Staatsanwalt de Camões Lima Boaventura.

Nach Amtsübernahme war eine seiner ersten Amsthandlungen dann auch die Schwächung der FUNAI, der“ nationalen Indianerschutzbehörde“. Gewaltsame Vertreibungen der Indigenen von ihrem angestammten Land sind seit langem bitterer Alltag in Brasilen. Doch seit der Machtübernahme Bolsonaros häufen diese sich massiv und die Brutalität nimmt extreme Züge an. Der Schutz der Indigenen wird genauso negiert wie der Schutz des amazonischen Regenwaldes der als „Grüne Lunge der Erde“ natürlich eine sehr relevante Rolle dabi spiuelen wird, wie verheerend die Klimakrise zuschlagen wird. Durch die Vertreibung der Indigenen sollen Regenwaldgebiete für den Holzeinschlag großer Konzerne freigegeben werden. Die Zerstörten Flächen werden anschließend an Agrokonzerne vergeben, die Sojamonokulturen anlegen, oder Palmölplantagen, wie der Bergbaukonzern VALE. Laut dem INPE (Nationales Institut für Weltraumforschung) hat die Abholzung des Amazonas-Regenwalds im Vergleich zum Vorjahr, im Juli 2019 um 278% zugenommen. Die Reaktion von Bolsonaro darauf war es in trumpscher Manier diese Wissenschaftler*innen als „böse Brasilianer*innen“ zu bezeichnen und den Direktor des Instituts zu entlassen. Alleine in diesem Jahr hat Brasilien die Markteinführung von 262 neuen Pestiziden und Herbiziden durchgesetzt. Aktuell werden 44% aller Produkte, die in Brasilien erlaubt sind, in Europa als toxisch und demnach illegal eingestuft. Unter den größten Profiteuren dieser Industrie befinden sich die deutschen Agrar-Chemie Firmen Bayer und BASF.
Gerade die ausgeklügelten traditionellen indigenen Anbausysteme, die durch die Vertreibung zerstört werden könnten heute eine Inspirationsquelle sein für eine zukunftsgerechte Landwirtschaft sein: Denn sie produzieren Nahrung und Holz auf der gleichen Fläche und speichern in diesen Anbausystemen große Menge Kohlenstoff.

Nun sind bei den massiv verstärkten brutalen Landnahmen seit Bolsonaros Amtsantritt immer wieder Indigene ums Leben gekommen. Beides – die Morde und die Vertreibung von ihrem Land – ließ auch die indigene Bewegung für Landrechte in die Offensive gehen. Seit dem 9. August ist ein Marsch indigener Frauen nach Brazilia unterwegs um den Widerstand dorthin zu tragen, wo er die Faschisten erreicht.

Am gestrigen Montag wurde im Rahmen dieses Marsches durch 1.500 indigene Frauen das Ministerium für indigene Gesundheit (Sesai) in Brasilia besetzt um die indigene Gesundheitsversorgung zu verteidigen und den Rücktritt der durch Bolsonaro eingesetzten Koordinator*in Silvia gefordert.

Solidarität mit den widerständischen Indigenen und gegen Bolsonaros neuen Faschismus tut auch in Europa not.
Heute morgen haben in London deshalb auch schon Klimaaktivist*innen die Fasade der brasilianischen Botschaft verschönert und sich mit Sekundenkleber an das Gebäude geklebt. Auch in Berlin sind Proteste geplant. Verschiedene Gruppen rufen zu einer solidarischen Kundgebung vor der Brasilianischen Botschaft in Berlin auf.
„Der Raum vor der Botschaft soll genutzt werden um den Widerstand der indigenen Frauen hörbar und sichtbar zu machen. Mit Originalaufnahmen der Proteste wird es eine audiovisuelle Installation zwischen den Bäumen
auf dem märkischen Platz geben. Zudem sind die Teilnehmenden eingeladen, miteinander ins Gespräch zu
kommen und sich über Strategien für mehr Solidarität zwischen der europäischen Klimagerechtigkeitsbewegung und den Beschützer*innen des brasilianischen Urwalds auszutauschen.“ heißt es. Es wird sogar versucht werden eineLive-Schaltung nach Brasilia herzustellen.
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