Banner

„Fuel Poverty“ Aktionstage

In Großbrittannien fanden vom 27. bis zum 31. Januar Aktionstage gegen „Fuel Poverty“ statt. Hintergrund ist, dass die 6 Energiemonopolisten in UK die Preise drastisch erhöht hatten, sodass viele es sich nicht mehr leisten können, ihre Wohnungen zu heizen. Deshalb fanden Aktionen gegen diese 6 Energieversorger – EDF, EON, Centrica (British Gas), Scottish Power, Scottish and Southern and NPower – statt. Dabei ging es aber nicht nur um billigere Gaspreise, sondern auch darum, die Klimaauswirkungen der Energieversorung zu thematisieren, und für das Ende einer kapitalistischen, auf fossilen Energien beruhenden Energieversorung zu kämpfen. Betont wurde, dass erneuerbare energien nicht sinnvoll in einem kapitalistischen Markt eingesetzt werden können, wo doch wieder die Profitfähigkeit über die Umweltverträglichkeit gestellt wird, und wo sie gegen die konventionellen Energien konkurrieren.

Hunderte Aktivist_innen in ganz UK protestierten auf unterschiedliche Arten, in vielen Städten vor den Büro’s und Zentralen der Gasversorger_innen. Eingänge wurden blockiert, und in Middlesex besetzten Aktivist_innen sogar Büros von British Gas.

Auch thematisiert wurden die Probleme der unkonventionellen Gasförderung, „Fracking“, die weltweit gerade um sich schlägt, und extrem Umwelt- und Gesundheitsschädlich ist, und die Konkurenz zwischen Nahrung und Energiepflanzen auf den Äckern, die weltweit die Nahrungsmittelpreise verteuert.

Massive neue Welle des Widerstandes für den Rückbau der Landebahn Nordwest am Frankfurter Flughafen

Vor dreieinhalb Jahren, als dort wo nun die Landebahn Nordwest steht, noch Wald stand, und zwar einer der besetzt war von Flughafengegner_innen, war der Widerstand der Anwohner_innen noch sehr bescheiden, so dass die staatlichen Knüppelorgane ohne allzugroße Probleme, den Wald räumen konnten, Fraport ihn roden konnte und jene Betonpiste bauen konnte, auf der nun die Flieger landen, die zig Anwohner_innen um den Schlaf bringen. Das alles war damals bekannt für jene die es wissen wollten. Nun macht es sicherlich nicht viel Sinn, jenen die heute aktiv werden Vorwürfe zu machen, im Gegenteil gilt es den Betroffenen Solidarität zukommen zu lassen. Interessanter ist die Funktionsweise: Sich zu fragen, mit welchen Mechanismen es immerwieder gelingt, die Anwohner_innen im Vorfeld solcher Großprojekte ruhig zu halten. Diese Mechanismen sind zwangsläufig Herrschaftsmechanismen, die es zu analysieren gilt. Zu nennen sind hier zum Beispiel bewusste Falschinformationen von Fraport und Lanesregierung im Vorfeld.

Jedenfalls ist nun, da der Lärm der Landebahn unerträglich ist wieder richtig Musik im Widerstand. Gestern demonstrierten 20 000 Flughafengegner_innen (ok, einige werden sich sicher nur als Landebahngegner_innen bezeichnen) im Flughafen. Dabei gab es Solidaritätsbekundungen aus dem Widerstand gegen den Flughafen Berlin Brandenburg und gegen S21.

Diese Demonstration ist die bisher größte, aber nicht die erste in einer sehr enormen Größenordnung.

RWE plant nachhaltig! Für den Weiterbetrieb der Braunkohleverstromung, nicht für’s Klima

BoA plus nennt RWE seine neuen Kohle-Drecksschleudern, die in Zukunft gebaut werden sollen. „Betrieb mit optimierter Anlagentechnik“. Und plus steht für noch optimierterer. Dass das mit der CCS (Abscheidung und Verpressung des CO2s) Technik nicht so ganz hinhaut, wurde anscheinend eingesehen. Niemand will das CO2, die Technologie ist noch nicht weit genug, es ist zu teuer und zu wenig effizient und nun gibt es auch noch aus der Politik Gegenwind. Egal, es hat getaugt um der Kohlekraft ein nachhaltiges Image zu verpassen und das war ja auch der einzige Zweck von CCS. Nun  also ist BoA plus der neue Trend. Klingt ja auch nicht schlecht. Optimierte Anlagentechnik soll heißen, dass das Kraftwerk flexibel (womit lediglich ein klein wenig  flexibler als herkömmliche Kohleblöcke gemeint ist) hoch und runtergefahren werden kann (es handelt sich nur um einige Prozent die in der Leistung variiert werden können). Zudem, und das ist wohl das entscheidenste bei BoA plus, haben die Kohlekraftwerke ein neues Design: Irgendwie morderner und: grün angestrichen! (kein Witz!)

Nachdem nun alle überzeugt sein werden, dass diese neuen Blöcke nichts mehr mit den alten Klimakillern gemein haben, will RWE also einige davon neu bauen, da die alten Kraftwerke langsam marode werden. In Niederaußem soll ein neuer BoA Block gebaut werden, mit 1.100 Megawatt Leistung. Somit würde es zum weltgrößtem! Kohlekraftwerk werden.  Und nun lässt RWE verlauten, dass sie noch ein weiteres in Frimmersdorf bauen wollen. In Neurath wurden bereits 2 neue Blöcke gabut in den letzten Jahren. Die Region in der Neurath, Niederaußem und Frimmersdorf stehen, ist bereits so stark von den Kraftwerken betroffen, dass nur noch sehr wenige Stunden, die Sonne zwischen den Rauchschwaden hervorkommt und es immer nach verbrannter Kohle riecht, einmal davon abgesehen, dass mensch rundum kaum etwas anderes als Kohlekraftwerke sieht.

Nun könnte mensch sagen, so wie RWE das auch propagieren will, wenn die alten Kraftwerke abgeschalten werden spricht doch nichts dagegen neue zu bauen, die effizienter sind, das Ganze würde dann ja sozusagen Emmissionen einsparen. Mensch könnte sich aber auch anschauen, was zu tun wäre, wenn das Klimaproblem ernst genommen würde und entschlossen gehandelt würde um das Klimachaos zu verhindern. Dann müssten nämlich sofort alle Kohlekraftwerke abgeschaltet werden, an einen Neubau gar nicht zu denken. Wenn mensch sich nun überlegt, dass Kohlekraftwerke eine Lebensdauer von 40 Jahren haben, bedeutet das, dass RWE bis in die zweite Hälfte dieses Jahrhunderts mit Braunkohle plant, und dass dafür auch neue Kohletagebaue abgebaut werden müssten. Was auch bedeutet, dass neben den 3 großen Tagebauen, Garzweiler 2, Hambach und Inden, die derzeit die Landchaft zerstören weitere in Betrieb genommen werden müssten, wofür weitere Dörfer, Wälder und andere Landschaften platt gemacht werden müssten. Zur klimarelevanten Einordnung: Das rheinische Braunkohlerevier ist Europas Klimakiller Nummer 1. Wer in Europa etwas gegen die Ursachen des Klimawandels unternehmen will, findet hier in den neuen Plänen von RWE sicher einen Ansatzpunkt. Das rheinische Braunkohlerevier hat das Potential das Wendland der Klimabewegung zu werden.

Und tatsächlich formiert sich Widerstand. Dass die lokalen Bürgerinitiativen angepisst sind von den neuen Plänen erklärt sich von selber. Aber auch Akteur_innen aus der Klimabewegung treten auf den Plan. Neben unabhängigen Klimaaktivist_innen die aktiv werden hat sich eine Kampagne gegründet die sich ausgeco2hlt nennt und aus überregionalen Zusammenhängen längerfristige Kampagnen starten will. Für den sofortigen Ausstieg aus der Braunkohle. Auserdem hat sich in der Region die Werkstatt für Aktionen und Alternativen (WAA) angesiedelt, die als offener Raum Platz für Projekte und Aktivitäten von Aktivist_innen bieten will.

Auserdem werden 2012 die West-Castoren genau durch diese Gegend rollen. Zeit um die Kämpfe gegen die verschiedenen Zerstörerischen Energieerzeugungstechnologien zu verbinden zu Energiekämpfen. Kämpfen für eine Selbstbestimmte Energieerzeugung, nicht für einen kapitalistischen Standort, sondern für den Nutzen von Menschen.

Wichtige Dinge darf mensch keiner Regierung überlassen!

Konferenz “Energiekämpfe in Bewegung!?!” 03.-05.02. (Berlin)

Verschiedene Gruppen, hautsächlich aus der Klimabewegung organisieren nächstes Wochenende eine gemeinsamne Strategiekonferenz zum Thema „Energiekämpfe“

Jenseits von Anti-Atom sind Energiekämpfe noch nicht richtig in Bewegung.
Angesichts von Klimakrise, Verdrängungen in Abbaugebieten,
steigenden Energiepreisen und angekündigten Massenentlassungen bei
RWE und Co. sind jedoch systemkritische und massive Interventionen
auf breiter Front nötig. Mit dem Abschalten von Atomkraftwerken können
wir uns nicht zufrieden geben.

Auf einer Strategiekonferenz wollen wir darum unter anderem diskutieren und beraten

– wie Anti-Atom, Anti-Kohle, Anti-CCS etc. zu einem gemeinsamen “Energiekämpfe-Projekt” wachsen könnte
– inwiefern es gemeinsame gesellschaftspolitische Visionen gibt
– wie daraus eine gemeinsame Strategie werden könnte, die ggf. gemeinsame Aktionen anleitet

Das Programm kannst du hier herunterladen.

Wir freuen uns auf eine Konferenz mit Menschen, die sich mit dem herrschenden Energieregime
nicht zufrieden geben, sondern ein Energiesystem wollen, das ökologisch vertretbar, sozial gerecht
und demokratisch organisiert ist.

Freitag, 03. Februar bis Sonntag, 05. Februar 2012

Konferenz “Energiekämpfe in Bewegung!?!”

in Berlin, (Gneisenaustr. 2a, 10961 Berlin)

Eine sich lohnende Veranstaltung, deshalb hab ich das hier maöl verlinkt. Warum immer ein demokratisch organisiertes Stromnetz gefordert wird erschließt sich mir allerdings nicht. Demokratie – also die Unterwerfung der Einzelnen unter einen „Gesamtwillen“ – ist doch genau die Begründung mit der heute Kohle und Atom gegen den Willen der Betroffenen durchgesetzt wird. Darüber sollte wohl vielleicht nochmal diskutiert werden.

Elektroautos klimaschädlicher als konventionelle Blechkisten!

Wie die taz von heute schreibt, sind, einer Studie des Ökoinstituts zurfolge, die als Klimaretter gepriesenen Elektroautos , in Wirklichkeit noch klimaschädlicher, als ihre stinkenden Kollegen mit Verbrennungsmotoren. Das liegt am hohen Stromverbrauch und daran, dass dieser Strom ja alles andere als klimaneutral produziert wird. Wie die taz resümiert wären Elektroautos erst dann klimaneutral, wenn der Strom dafür auch erneuerbar hergestellt würde. Das allerdings könnte erst dann behauptet werden, wenn der gesamte Strom erneuerbar produziert würde, da ansonsten der für Elektroautos benötigte Strom immer den anderen Energieverbrauchern, den „Ökostrom“ wegnehme. Die Autoindustrie reagiert unterschiedlich darauf: Die einen, Audi und Daimler, wollen selber in die Produktion erneuerbarer Energie einsteigen, um sagen zu können, dass sie selber den Ökostrom herstellen, der beim fahren ihrer Elektroautos verbraucht wird. Das findet die taz ganz toll. Die anderen, z.B. Opel reagieren mit offensichtlichem Desinteresse am realen Klimaschutz:

„Wir sind ein Autohersteller und können uns nicht um die Treibstoffe kümmern“, sagt Patrick Munsch von Opel. „Das Fahren des Ampera ist CO2-neutral“. Bei Benzin und Diesel frage auch niemand nach den Emissionen bei der Herstellung.  (taz)

Auch die in der taz vertretene Vorstellung, das Fahren von Elektroautos sei klimaneutral, wenn nur der Strom erneuerbar produziert würde, greift deutlich zu kurz: Ausgeblendet werden dabei komplett der Energieaufwand in der Produktion, und zwar sowohl der Elektroautos selber, wie auch der Anlagen der erneuerbaren Energien. Bei den Autos ist es so, dass sie in der Produktion Energieaufwendiger sind, als konventionelle Autos, da die Leichtigkeit von höherer Relevanz ist,und so viel mit  extrem Energieaufwendigem Alluminium gebaut wird. Bei den erneuerbaren Energien, wird zwischen einem fünftel und einem zwanzigstel dessen was die Anlage über ihre Lebensdauer an Strom erzeugt bereits für ihre Produktion benötigt. Das geschieht mit Strom aus Kohle und Atom. Ein klimaneutrales Autofahren gibt es also genausowenig, wie eine klimaneutrale kapitalistische Konsumgesellschaft. Wer das Klima schützen will muss sich Gedanken machen darüber wie eine Gesellschaft organisiert sein kann, dass weniger verbraucht wird, und dennoch die einzelnen Menschen in ihren Möglichkeiten gestärkt werden. Anstatt dem Individualverkehr auf der Straße wäre also ein kostenloser öffentlicher Verkehr für alle etwas, das gleichzeitig die Möglichkeiten der Bewegung aller erhöhen würde und massiv die Emmissionen verringen würde.

Kohlezugblockade im rheinischen Braunkohlerevier und Klimacamp

Das sind Bilder die mensch normal aus dem Wendland kennt: Viele bunte Menschen, die auf Strohsäcken Schienen blockieren, und diese für viele Stunden umfunktionieren:  Samba-Musik, Volxküche, Workshops, Frisbie- und Kartenspiel. Nur zum Vergnügen sind sie aber nicht auf der Schiene. Diesesmal geht es aber nicht um die strahlende Fracht der Atommülltransporte, sondern um die extrem sensible Infrastruktur des rheinischen Braunkohlereviers. Im 5 Minuten Takt fahren hier normalerweise die Kohlezüge um die Kohlekraftwerke mit Braunkohle aus den Tagebauen zu versorgen. Das Baunkohlerevier westlich von  Köln ist kaum jemandem bekannt – obwohl es Europas Klimakiller Nummer 1 ist. Erfreulich also, dass eine 11 stündige Blockade der Kohlebahn gelang – so wurde Öffentlichkeit auf die Kohleinfrastruktur gelenkt und gezeigt dass sie angreifbar ist. Weniger erfreulich aber ist, dass nur etwa 70 Menschen an der Aktion teilnahmen, im Vergleich zum Wendland, wo zehntausende Atomtransporte blockieren, eine recht überschaubare Menge. Warum die Prioritätensetzung vieler Aktiven bloß auf die Castortransporte ausgerichtet ist, ist logisch nicht begründbar. Wo der Versuch von Wirtschaft und Politik gerade ist den Kohle- und den Atomwiderstand gegeneinander auszuspielen, wäre es dringend notwendig, dass auf Bewegungsebene praktische Solidarität ausgeübt wird, um diese Strategie ins Leere laufen zu lassen. Und dass Europas größter Klimakiller in Zeiten des bevorstehenden Klimachaos eine untergeordnete Wichtigkeit haben soll leuchtet mir nicht ein.

Die Politik der Bewegungseliten spielt in diese Dynamik wohl auch mit hinein. So verhinderte  Dirk Seifert, Energiereferent von Robin Wood, dass in dem Aufruf zu diesjährigen Castorblockaden, erwähnt wird, dass der Ausbau der Kohlekraft nicht die Lösung sein könne. Aus Angst die Gewerkschaften, zusammen mit der SPD das Herz der Kohlelobby in Deutschland, könnten den Aufruf ansonsten nicht unterschreiben.

Was nicht ist kann aber noch werden: Die Organisator_innen der  „Grube gräbt“ Kampagne (von „Wer anderen eine Grube gräbt“) und vom Klimacamp wollen eine kontinuierliche Kampagne gegen die Braunkohle in der Region auf die Beine stellen. Bilder von Blockaden der Kohlebahn werden in Zukunft vielleicht genauso üblich sein wie jene von Anti-Atom-Blockaden. Vielleicht auch mit ähnlichen Teilnehmer_innenzahlen, wenn die Relevanz einmal erkannt wurde.

Die diesjährige Blockade fand während des 10tägigen Klimacamps in Manheim bei Kerpen statt. Dort trafen sich rund 200 Klimaaktivist_innen und teilten Wissen über die Klimaproblematik und Widerstandsmöglichkeiten, vernetzten sich und führten eben Aktionen durch. Dass das keine einmalige Aktion war, sondern dass das Thema in der Region nun dauerhaft auf der Tagesordnung sein wird, zeigt auch, dass direkt im Anschluss an das Klimacamp in Manheim, die Werkstatt für Aktionen und Alternativen eröffnete, eine Art dauerhaftes Klimacamp. Organisierungsprozesse, die auf dem Klimacamp im großen Stile stattfanden, sollen hier vertieft werden. Auserdem soll ein dauerhaftes Bildungsprogramm in Form von Seminaren aufgestellt werden. Die WAA ist jederzeit offen für alle Interessierten und alle, die sich hier organisieren wollen. Es gibt also viele  Möglichkeiten sich einzubringen. It’s your turn!

Bericht des Klimacamps in der Lausitz

Das Klima- und Energiecamp in der Lausitz ist vorbei, hier ein kleiner Erfahrungsbericht und eine Einordnung:

Mit dem Jänschwalder Kohlekraftwerk (dasjenige mit den siebtgrößten Emmissionen weltweit) als Skyline und mehreren Tagebauen in der direkten Umgebung des Camps wurde mensch jederzeit daran erinnert warum mensch dort ist: Um die klimaschädlichste aller Energieerzeugungsvarianten, die gerade weltweit im Auftrieb ist zu bekämpfen. Über die Woche verteilt besuchten das Camp zwischen 300 und 400 Aktivist_innen, in der Mitte der Woche war mit über 200 Camper_innen der Höhepunkt erreicht. Neben einigen kleineren Kraftwerkszufahrtsblockaden oder Rangeleien am Rande des Tagebaus (wo Vattenfallsecuritys extrem brutal gegen Aktivist_innen vorgingen und diese wiederrechtlich mit Kabelbindern fixierten) waren die Bürobesetzungen der brandenburgischen Regierungsparteien  SPD und DIE LINKE die zentralen Aktionen des Camps. Die Aktivist_innen wurden vergleichsweiße sehr freundlich empfangen und konnten ihre Forderungen den Parteien überreichen. Auch wenn am Ende des Camps die erfreuliche Nachricht durchsickerte, dass Brandenburg keinen Alleingang in Sachen CCS Technologie machen will (Abscheidung von CO2, wo es eine Ausstiegsklausel für die Länder gibt, von der die meisten gebrauch machen und nun eben auch Brandenburg), und das durchaus auch in den Zusammenhang mit den Aktivitäten des Klimacamps gestellt werden kann, bleibt die Frage, ob die Klimabewegung sich darauf einlassen sollte sich als Bittstellerin an die parlamentarischen Entschidungsträger_innen zu sehen, oder ob mehr damit gewonnen wäre, den kohärenten Zusammenhang zwischen Herrschaftssystemen und Umweltzerstörung zu analysieren und für eine komplette Selbstermächtigung einzutreten.

Zum Abschluss des Camps fand am Samstag eine Demonstration gegen Kohle und CCS in Cottbus statt, an der mehrere Hundert Menschen teilnahmen. Auf dem Camp selber fanden unterschiedlichste Workshops, Vorträge und Podiumsdiskussionen statt. Das ging von Solarofen bauen, über Auseinandersetzungen mit Technologien wie CCS oder Fracking bis zu politischen Workshops über „Ökosozialismus“ oder auch „Ökologie und Herrschaftskritik“. Bei einer Podiumsdiskussion zwischen einem Betriebsrat von Vattenfall und einem Campteilnehmer wurden zwar erst die üblichen Dummheiten ausgetauscht wie „Was schafft mehr Arbeitsplätze: Kohlekraft oder Erneuerbare“ später wurde der Betriebsrat, der eins zu eins die Positionen der Vattenfall-Führung vertrat von aufgebrachten Anwohner_innen auseinandergenommen.

Auf dem Camp wurde zwar keine Massenbewegung begründet, wenn mensch aber bedenkt, dass es nur eines von zwei Klimacamps dieses Jahr ist, und überwiegend regional mobilisiert wurde, ist es schon ganz beachtlich was dort auf die Beine gesetllt wurde. So ist das Camp also als ein Schritt in die Richtung einer schlagkräftigen Anti-Kohle-Bewegung zu sehen, der manchmal etwas mehr Radikalität zu wünschen wäre. Die nächste Etappe wird die Bewegung beim nächsten Klimacamp in einigen Tagen im rheinischen Braunkohlerevier nehmen, und anschließend auf dem dauerhaften Klimacamp eben dort. Beiteiligt euch!

Fahrradtour zwischen den beiden Klimacamps in Deutschland ’11

Klimacamp-Vernetzungs-Radtour von der Lausitz ins rheinische Braunkohlerevier

Diesen Sommer werden in Deutschland zwei Klimacamps stattfinden,
welche sich beide vor Ort gegen den Abbau der klimaschädlichen
Braunkohle richten. Um beide Camps miteinander zu verknüpfen ist
eine Fahrradtour von einem Camp zum anderen geplant. Ebenfalls wollen
wir durch die Tour die Sichtbarkeit einer Graswurzelbewegung, die sich
gegen die Klimazerstörung entwickelt, in die Breite tragen. An
vielen Orten werden wir mit Menschen zusammenkommen um uns zu vernetzten, zu
diskutieren oder gemeinsam kleine Aktionen zu unternehmen.

Du bist auf beiden Camps dabei oder hast einfach Lust auf Sommer,
Radfahren und nette Leute? Dann schnapp dir dein Fahrrad und komm mit!
Die gut zehn Sommertage zwischen den beiden Camps eignen sich perfekt
für eine Radtour von der Lausitz ins rheinische Braunkohlerevier.
Dabei werden wir nicht nur klimaneutral unterwegs sein, sondern auf
unserem Weg einige Stationen anfahren, bei denen wir uns mit Menschen
aus der Klima- und Umweltbewegung austauschen. Je nach Lust und Laune
eignet sich die Tour auch für Straßentheater-Aktionen u.a. Daneben
kommen natürlich Pausen am Badesee und gemütliche Abende am Lagerfeuer
nicht zu kurz.

Route, Zwischenstationen und Aktionen werden wir entweder im Vorfeld
über unseren Verteiler oder/und vor Ort auf dem Lausitzcamp gemeinsam
planen. Wenn du Fragen oder Anregungen hast oder auf den Verteiler gesetzt werden willst schreib eine Mail an rad_und_tat@riseup.net. Wer sich erst auf dem Camp spontan entschließen möchte, ist ebenfalls herzlich eingeladen!

Zeitraum: 15.-26. August. Weitere Infos wird es auf dem BLog klimaradtour.blogsport.de geben.

WAA – Werkstatt für Alternativen und Aktionen – dauerhaftes Klimacamp

Werkstatt für Aktionen und Alternativen (WAA) – Aufruf für ein dauerhaftes Klimacamp

Inspiriert durch die Klimacamps die in Großbrittanien ihren Ursprung hatten und seitdem an vielen Orten auf der ganzen Welt erfolgreich darin waren eine radikale Kritik an den strukturellen Ursachen der Klimazerstörung zu vermitteln, wollen wir noch einen Schritt weitergehen: Wir wollen ein dauerhaftes Klimadorf als Aktions- Bildungs- und Organisierungsort aufbauen – und als Ort für das Erlernen eines klimaneutralen Lebens, das wir nicht mit Verzicht assoziieren wollen, sondern mit Kreativität.
Als Ort dafür haben wir die Region ausgewählt, die am meisten CO2 in ganz Europa emittiert, das rheinische Braunkohlerevier.

Teil der Lösung oder Teil des Problems?  

Es ist eine seltsame Sache mit der Klimaproblematik: Sie ist allseits bekannt, allgemeine Aufklärung zu betreiben ist nicht mehr nötig. Jede_r ist scheinbar auf der Seite jener die das Problem bekämpfen wollen. Und dennoch ist das Einzige was in der realen Welt zu beobachten ist eine rasante Verschärfung der Klimakatastrophe. Dadurch drängt sich der Verdacht auf, dass die Lösung nicht darin liegen kann, dass die so degradierten Konsument_innen die „richtigeren“ Waren in ihren Einkaufskorb packen, die Manager_innen der Großkonzerne verantwortungsbewusstere Entscheidungen treffen und die Wissenschaftlerinnen die richtigen „Erfindungen“ machen. Nein. Wir haben die Vermutung, dass das Koordinatensystem, innerhalb dessen alles grün sein soll faul ist. Um ein Beispiel aus dem Blauen zu pflücken (bevor es dann grün gemacht wird): Erdöl wird gefördert um industrielle Landwirtschaft zu betreiben und damit essbare Waren herzustellen. Essbare Waren werden hergestellt um sie um die halbe Welt zu verschiffen. Um die halbe Welt werden sie verschifft um am Zielort verbrannt zu werden. Verbrannt werden sie um die Preise für Nahrungsmittel stabil zu halten. Verhungern tun währenddessen täglich 24 000 Menschen, weil sie nichts zu Essen haben. Nichts zu Essen haben sie, weil der Zweck Nahrungsmittel herzustellen, innerhalb der herrschenden Verhältnisse nicht darin liegt Menschen zu sättigen, sonden die Konten von Konzernen.
Ein Koordinatensystem, in dem viel Energie und Arbeitsaufwand betrieben wird, damit Menschen verhungern, ist nicht dasjenige, innerhalb dessen das Klima zu retten ist, und auch nicht das, innerhalb dessen Menschen sich sinnvoll organisieren können. Jeder Versuch dessen führt zwangsläufig auf Irrwege. Die Frage, ob mensch Teil der Lösung oder Teil des Problems sein will, ist also nicht mit dem Verweis auf den Grünton der Verpackungen der eingekauften Waren zu beantworten, sondern vielmehr durch die Logik innerhalb derer mensch die Lösungen gegen den Klimawandel denkt, und die gefundenen Handlungskonsequenzen, die mensch daraus zieht.
Dieser Aufruf richtet sich an alle Menschen, die die Lösung nicht alleine in kapitalistischen, herrschaftsförmigen Koordinaten denken können und auch nicht (mehr) denken wollen.

Klimacamps

Einen wichtigen Impuls für die radikale Klimabewegung schafften die Klimacamps, die ihren Ausgangsort in Großbrittanien hatten. Aufbauend auf den vier Säulen – Direkte Aktionen gegen Klimazerstörung, radikal klimaneutrales Leben auf den Camps, Weiterbildung über die Klimaproblematik und richtige und falsche Lösungen, und Vernetzung – treffen sie genau den richtigen Vierklang der Selbstermächtigung. Durch den Rahmen der Camps, der alle 4 Elemente verbindet, wird deren Wirkung multipliziert. Denn klimaneutrale Praktiken sind zwar auch nett, wenn sie im eigenen Hintergarten ausprobiert werden, ihre einzige Relevanz sind dann aber die konkret gesparten Emmissionen. Im Kontext eines Klimacamps sind sie aber mehr: Nämlich eine Anklage an die herrschende kapitalistische Produktionsgesellschaft, durch das konkrete Aufzeigen möglicher, besserer Alternativen.
Direkte Aktionen sind für sich genommen zwar immer nervende Nadelstiche für die Akteur_innen des Untergangskommandos. Mit einem Klimacamp als Hintergrundskulisse für die Angriffe auf klimazerstörende Industrien, können diese auch gesamtgesellschaftlich eine ganz andere diskursive Legitimität erfahren. Weiterbildung ist für sich genommen auch eine jederzeit erstrebenswerte Sache, wo sich aus ihr aber keine konkreten Handlungsoptionen ergeben, bleibt sie eine akademische Irrelevanz. Ein nettes Analysegespräch auf der Zuschauer_innebank.
Die 4 Säulen zusammengeführt können aber genau das Notwendige erreichen: Zu gleichen Teilen das bestehende Koordinatensystem samt seiner konkreten Auswirkungen anzugreifen und in den entstehenden Lücken zarte Pflänzchen eines selbstorganisierten, klimaneutralen Lebens zu pflanzen, auf dass sie zu Wäldern der Ressilienz werden. Und bei all dem jederzeit genug theoretische Reflektion über den einzuschlagenden Weg haben, nach dem Motto: Fragend schreiten wir voran. ‚WAA – Werkstatt für Alternativen und Aktionen – dauerhaftes Klimacamp‘ weiterlesen

(Wendland) Mastanlagen-Baustelle besetzt

Im Wendland wurde gestern früh der Bauplatz einer Hähnchenmastanlage besetzt. Zur Zeit gibt es großen Ärger mit dem Bauern, der schon versuchte eigenhändig den Tripod mit seinem Trecker zu räumen.  Die Besetzung benötigt also dringend Unterstützung. Hier eine  Veröffentlichung der Besetzer_innen:

(Wendland) Mastanlagen-Baustelle in Teplingen besetzt
Anlage soll Zulieferbetrieb für Schlachthof in Wietze werden.

Das Gelände in Teplingen, auf dem eine Hühnermastanlage errichtet werden soll, wurde in der Nacht zum Sonntag von 20 Aktivist_innen besetzt. Ein Tripod, eine Hütte und diverse weitere Blockadevorrichtungen wurden aufgebaut, die Besetzer_innen bereiten sich auf einen langwierigen Aufenthalt vor und freuen sich über Besuch und jede andere Form von Unterstützung. In Teplingen soll jährlich in 7,5 Mastdurchläufen 300.000 Individuen mästen, sodass auf einem Quadratmeter 22 Hühner leben müssen. 4% der Tiere erreichen durchschnittlich das “Schlachtgewicht” nicht, so würden pro Jahr 12.000 Hühner durch die grausammen Haltungsbedingungen schon in der Anlage sterben.

Die Mastanlage, deren Baugelände besetzt wurde, soll Zulieferbetrieb für die größte Hühnerschlachtfabrik Europas in Wietze bei Celle werden. Dort ist die Tötung 2, 5 Millionen Tieren wöchentlich geplant, hierfür benötigt der Betreiber Rothkötter ca. 420 Mastanlagen mit jeweils 40.000 Hühnern in der Umgebung. Im Sommer 2010 wurde das baugelände in Wietze während knapp 3 Monaten besetzt gehalten. Die Schlachtfabrik befindet sich zur Zeit in Bau und kann nur dann vollständig in Betrieb genommen werden, wenn es genügend Zulieferbetriebe gibt.

Das ist zur Zeit noch nicht der Fall – geplant wird von der Betreiberfirma Rothkötter, den Betrieb in andere Schlachtereien zu verringern, damit sich die Inbetriebnahme nicht verspätet. Der Mega-Schlachthof ist verhinderbar!

Die Besetzer_innen kritisieren die Baupläne und sehen darin legalisierte Tierquälerei. “Massentierhaltung ist eine soziale, ökologische und ethische Katastrophe. Klimawandel, Gensojaanabau, Boden-, Luft-, Gewässerverschmutzung: es gibt kein ökologisches Problem, unter dessen Hauptursachen sich nicht auch die industrielle Tierhaltung befindet.”, so eine der Aktivist_innen: “Wir sind hier, um unser entschlossenes Nein gegen die industrielle Tierhaltung auszusprechen – und gegen die Ausbeutung von Menschen, Tieren und der Umwelt im kapitalistischen Wirtschaftssystem”.
Die Aktivist_innen kritisieren weiter, dass diese politischen Entscheidungen getroffen werden, ohne die Betroffenen einzubeziehen. Das Ziel der Betreiber_innen sei die maximale Ausbeutung für maximalen Profit.

Die Besetzung richtet sich gegen diese und jede andere Form der (Massen-)Tierhaltung.
Kommt vorbei, bringt Energie, Kreativität, Wut und Fantasie!
Jede Form von Unterstützung ist wichtig.

Keine Schlachtfabriken, nirgends!

Was ihr mitbringen könnt:

Nahrungsmittel (vegan/freegan)
Aktionsmaterialien (u.a. Transpistoff, Farben, …)
Bau- und Brennholz
Werkzeuge
Decken, Schlafsäcke, Matzratzen, Zelte


Banner

Klima-Einheitsbrei

Klimaneutral, oder zumindest klimafreundlich ist heute eigentlich alles: Die Flugreise, der Sprit, die Bundeskanzlerin, die Kohlekraftwerke und die Bildzeitung. Für Klimaschutz zu sein ist also ungefähr so aussagekräftig, wie für Freiheit zu sein. Das ist auch jede. Menschen wachrütteln zu wollen, um ihnen klarzumachen wie schlimm der Klimawandel ist, wie es die meisten Umweltschützer machen ist also sinnlos. Vielmehr müssen die herrschenden Diskurse über den Klimawandel analysiert und angegriffen werden, nach denen der Neukauf eines Autos zum Beispiel ein klimaschonender Akt ist. Und es müssen Utopien einer wirklich klimafreundlichen emanzipatorischen Alternative aufgezeigt werden und einem herrschaftsförmigem Öko-Kapitalismus entgegengestellt werden. Dadurch wird auch klar, dass der K. nicht taugt für Klimaschutz. Denn im K. Muss immer soviel wie möglich produziert werden, und so billig wie möglich, sonst frisst einen die Konkurenz, die eben auf Umweltstandarts scheißt. Und Öko-Sparten wird es immer nur für die Reichen geben, die das Geld haben um sich ihr Gewissen frei zu kaufen. Umwelt- und Klimazerstörung ist immer ein Akt von Herrschaft: Herrschaft über die Natur, Herrschaft über die betroffenen Menschen, Herrschaft über Nicht-menschliche Tiere. Wenn die Betroffenen eines Flughafens- oder Autobahnneubaus selber entscheiden könnten, würde es diese meist nicht geben. Würden die Stimmen derjenigen miteinbezogen, die als erste unter dem Klimawandel leiden werden, wären schon längst effektive Maßnahmen dagegen unternommen worden. Würden Menschen ihre Herrschaft über Nicht-menschliche Tiere beenden, und somit auch die Tierhaltung, würde der größte Emmissionssektor wegfallen und gleichzeitig würden massenhaft Flächen frei, für Aufforstungen, welche der Atmosphäre wiederrum CO2 entziehen würden. Gegen Klimawandel zu kämpfen heißt also immer auch gegen Herrschaftsverhältnisse zu kämpfen.Klima-Einheitsbrei